Zuschauerentwicklung DEL – 2016/17

Durch den Einstieg des neuen DEL-Medienpartners hat sich die Eishockeywelt verändert. Wie jedes Jahr gibt es zum Deutschland-Cup einen Überblick über die Zuschauerzahlen und Spekulationen dazu. Ein endgültiges Urteil lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht fällen.

Dass es in der neuen Saison weniger Zuschauer ingesamt geben würde, war von Beginn an klar. Mit den Freezers hat die DEL einen Club verloren, den Bremerhaven alleine schon auf Grunde der geringeren Kapazität nicht auffangen kann. Insofern ist es logisch, dass die Gesamtzuschauerzahl zurückgehen würde.

(Hier gehts zum Liveticker)

Ein anderer Faktor ist der Einstieg der Telekom. Alle Spiele weren live gestreamt. Würde das Zuschauer davon abhalten, die Partien live vor Ort zu beobachten? Negative Auswirkungen auf die Budgets der Club müsste das noch lange nicht haben, schließlich bezahlt der neue Medienpartner für die Übertragungen auch Geld, dass eventuelle Ausfälle leicht wettmachen könnte.

Schauen wir uns die Clubs im Einzelnen an.

Augsburger Panther

zuaugsb

Die Grafiken sind allesamt wie folgt zu lesen: Die y-Achse ist die kumulierte Zuschauerzahl, auf der x-Achse steht die Anzahl der Heimspiele. Die rote Linie bildet die vorige Saison ab, die gelbe die aktuelle. Die genauen Zahlen gibt es jeweils extra in einer Tabelle. Betrachtet wird die Anzahl der Heimspiele vor der Deutschland-Cup-Pause. Dem gegenübergestellt wird die entsprechende Anzahl an Heimspielen aus der Vorsaison, ohne dass ich jetzt darauf sonderlich Rücksicht nehme, ob der jeweilige Club in der letzten Saison mehr oder weniger Heimspiele im betreffenden Zeitraum durchführte, was die Angelegenheit unnötig kompliziert machen würde.

Effekte beim AEV? Lassen sich auf den ersten Blick schwer erkennen. Die Zahlen der beiden Spielzeiten unterscheiden sich unwesentlich. Der AEV hat im Vergleich zum Vorjahr ein Prozent weniger Zuschauer, absolut -315. Das sind Schwankungen im Bereich eines sonnigen Herbsttages. Kann man vernachlässigen.

augsburg
Straubing Tigers

Bei unserem zweiten Kandidaten lassen sich auf den ersten Blick Unterschiede erkennen. Der Rückgang ist augenfällig. Aber auch erklärbar. In der letzten Saison erwischten die Tigers einen sehr guten Saisonstart, in dieser Saison sah es zunächst ähnlich aus, der gute Start ist aber inzwischen verpufft.

zustraubig

Dennoch, noch als die Tigers sich in ihrer guten Startphase befanden, setzte der Zuschauerrückgang ein. Bei den Niederbayern gibt es einen Rückgang von 11,9 Prozent, sprich, es kamen 3854 Zuschauer weniger als letzte Saison in den ersten sieben Heimspielen. Das ist ein spürbarer Unterschied.

straubing

ERC Ingolstadt

Eine ähnliche Entwicklung beobachten wir bei den Schanzern. Die spielten in diesem Zeitaum in der vergangenen Saison fast gegen dieselben Gegner. Mit mehr oder weniger Derbys lässt sich der Rückgang also nicht erklären.

zuingo

Die genauen Zahlen: Es gibt einen Rückgang von 9,2 Prozent. Bzw. es kamen bisher 2787 weniger Zuschauer zum ERC. (Aber : Siehe Köln)

ingolstat

Eisbären Berlin

Und wie sieht es beim Zuschauerkrösus der DEL aus? Leicht erkennbar verzeichnen wir auch hier einen kleinen Rückgang, der aber tatsächlich nur marginal ist.

zuschberl

Einerseits. Andererseits ist das eine Entwicklung, die gut zu den Zahlen der letzten Jahre passt. Das vierte Jahr in Folge, weiter will ich hier gar nicht zurückblicken, geht bei den Eisbären die Zuschauerzahl im Vergleichszeitraum leicht zurück. Diesmal um 2,7 Prozent, was insgesamt 2640 Zuschauern weniger entspricht.

berlin

Grizzyls Wolfsburg

Nach dem Krösus nun zum Antikrösus. Das Problem bei den Grizzlys ist natürlich, dass sich die Zuschauerzahlveränderungen schon in Prozent ausdrücken lassen, wenn auf dem Weg zum Stadion ein Taxi liegenbleibt. Außerdem macht es bei den Grizzlys einen echten Unterschied aus, dass die Freezers nicht mehr da sind.

zuschawob

Die Unterschiede zur Vorsaison sind vernachlässigbar, bei beiden Spielzeiten ist schon ein Heimspiel gegen die Eisbären drin. Rückgang 1,1 Prozent (zwei Taxis?). In absoluten Zahlen: Es kam 192 Zuschauer weniger. (Drei Taxis!)

wob

Adler Mannheim

Schon wieder etwas deutlicher ist der Ungerschied bei den Adlern. Das mag auch damit zu tun haben, dass sie mit dem Meisterschaftsbonus in die letzte Saison starteten.

zuschmann

Dann ernsten sie jetzt vielleicht die Früchte ebendieser Spielzeit. Wir verzeichnen einen Rückgang von 7,8 Prozent. Oder in absoluten Zahlen: 6671 weniger Zuschauer gab es. Das ist noch knapp unter der Hälfte der Hallenkapazität. Mit der aktuellen Heimserie könnte sich das eventuell schnell wieder ändern. Und dass das Derby gegen Schwenningen unter der Woche ausgespielt wurde, war sicherlich nicht hilfreich.

mannhei

Schwenninger Wild Wings

Nun, das ist jetzt mal ein deutlicher Unterschied. Die Wild Wings scheinen zu den großen Gewinnern der laufenden Saison zu zählen. Aber …

zuschschwenn

… die Erklärung für die Steigerung von 17,4 Prozent bzw. um 4175 Zuschauer ist ziemlich einfach. Man werfe einen Blick auf den Knick am dritten Spieltag und rate, wer der Gegner war. Genau: Es war ein Derby. Und ein solches hatte es in der Vorsaison zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Ja, das erste in Schwenningen war bereits vor der Länderspielpause, aber bereits das neunte Heimspiel der Wild Wings, also habe ich es aus oben angeführten Gründen nicht berücksichtigt.

schwennngen

Kölner Haie

Werfen wir nun einen Blick auf die Haie. Auf den ersten Blick gibt es einen deutlichen Zuschauerrückgang. Es gibt dafür aber auch eine Erklärung und Gründe, die dafür sprechen, dass sich das in absehbarer Zeit ändert.

zuschkoen

Zunächst die Zahlen: Die Haie haben Einbußen von 9,4 Prozent oder 11493 Zuschauer. Das hat aber wahrscheinlich damit zu tun, dass die Haie zu Saisonbeginn deutlich mehr Heimspiele als die anderen Clubs ausgetragen haben (Köln hat zehn, alle anderen sieben oder acht). Dazu kommt, dass zwei dieser Heimspiele unter der Woche stattfanden (gegen Bremerhaven und Straubing, was gerade für Auswärtsfan suboptimal ist). Dasselbe gilt übrigens für Ingolstadt – zwei Spiele unter der Woche – im Vergleichszeitraum der Vorsaison hatten weder Köln noch Ingolstadt in dieser Zeit dienstags oder mittwochs Heimpartien ausgetragen. Angesichts des Erfolgs der Haie und ich unterstelle auch einen gewissen Ehrhoff-Effekt, denke ich, dass sich die Zahlen bei den Haien noch verbessern werden.

koeln

Düsseldorfer EG

Richten wir den Blick nach Düsseldorf. Ein Blick, und wir registrieren einen leichten Rückgang. Und es ist auf den ersten Blick ein Knick zu erkennen.

zuschduess

Schauen wir auf die Zahlen: Rückgang 4,8 Prozent, absolut sind das 2332 Zuschauer. Muss man sich Sorgen machen. Ich denke, nein. Die DEG ist auf demselben Weg wie letzte Spielzeit, ich vermute, dass es am Saisonende, ist natürlich nicht unabhängig davon, wie diese Saison verläuft, wieder eine leichte Steigerung geben könnte. Beim Bevölkerungszuwachs gab es den Pillenknick, bei der DEG sind die Haie die beste Medizin. Letzte Saison gab es das Derby am fünften Spieltag, diese Saison gab es noch keines. So einfach ist das.

duesseldorf

Krefeld Pinguine

Schauen wir uns als nächstes die Pinguine an. Sie gehören zu den wenigen Teams, die eine Steigerung zu verzeichnen haben. An der Stelle bin ich ein wenig im Erklärungsnotstand.

zuschkre

Warum? Man kann ja nicht behaupten, dass der KEV nur so durch die Tabelle fegt. Der Schnitt war von Anfang an besser als letzte Saison. Der kleine Knick ist die DEG, die für den KEV das ist, was die Haie für die DEG. Erschwerend kommt hinzu, dass der KEV schon ein Heimspiel unter der Woche hatte, gab es in der letzten Spielzeit zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Fazit: Nach Krefeld kommen offensichtlich mehr Zuschauer. Warum? Beats me. Steiergung 8,1 Prozent, in absoluten Zahlen: 2542. Einzige mögliche Erklärung: Die Leute wollen nach Jahren des Entzugs mal ein richtig gutes Powerplay sehen.

krefeld

Iserlohn Roosters

Sportlich läuft es am Seilersee inzwischen. Das letzte Heimspiel war erstmals ausverkauft, vergangene Spielzeit begann dieses Phänomen ein wenig später, als in der zweiten Saisonhälfte praktisch alle Heimspiele aufverkauft waren. Die Zahlen der Vorsaison werden schwer zu halten sein, aber weit davon entfernt ist der IEC nicht.

zuschiser

Die Abweichungen: In Prozent: -3,3. Absolut: -1124. Wenn es nicht ein Heimspiel unter der Woche gegeben hätte, würden die Unterschiede aller Voraussicht nach noch geringer aufallen.

iserlohn

Nürnberg Ice Tigers

Nun richtet sich der Blick nach Nürnberg. Wir sehen einen leichten Rückgang, der sich durch das EINE Heimspiel unter der Woche, immerhin ein Derby gegen Ingolstadt, trotzdem, leicht erklären lässt.

zuschunuern

-2,5 Prozent, das sind gerade einmal 833 Zuschauer. Und die wären bei einem Spiel gegen Ingolstadt an einem Wochenende aber gaaanz locker zusätzlich gekommen. Unter dem Strich sind die Franken voll im Vorjahresschnitt. 5500 Zuschauer kommen zu diesem Derby im Schnitt, unter der Woche gegen den ERC waren es nur 4500. W.z.b.w.

nuernberg

EHC Red Bull München

Bleibt noch übrig der Meister. Und wir registrieren eine deutliche Steigerung. Nach leichtem Rückgang zu Saisonbeginn im letzten Jahr. Das scheint mir die Schlussfolgerung zu erlauben, dass DEL-Eishockey in München angekommen ist und sich immer mehr etabliert. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Münchner im vierten Jahr in Folge einen neuen Zuschauerrekord erstellen.

zuschmuenchen

Die absoluten Zahlen: Es liegt eine Steigerung von 12,7 Prozent vor, zusätzlich gab es bisher 3143 mehr Zuschauer als in der Vorsaison. Der kleine Knick am vierten Spieltag kommt vom Spiel gegen Schwenningen, was man jetzt nicht sofort verstehen muss. Später auch nicht. Ist mir nur aufgefallen, und als ich nachschaute, dachte ich „Häh?“

muenchen

Schlussfolgerung: Negative Effekte auf die Zuschauerentwicklung durch den Einstieg der Telekom kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen. Abweichungen zur Vorsaison lassen sich zum Teil durch die sportliche Entwicklung, die Ansetzung des Spieltages oder gar nicht erklären (z.B. KEV). Aber andererseits ist die Saison noch jung. Ob die vielen Übertragungen Eishockey attraktiver machen oder nicht? Und mehr Zuschauer in die Hallen zieht? Kann man bisher weder bejahen noch verneinen.

Sollte es eine Steigerung geben, kann das auch damit zusammenhängen, dass Eishockeyinteressierte eigenen Statistiken führen wollen. Die sind dann einfach immer zugänglich. Who knows?

P.S. Keine Ahnung, wie die Ixe bei Augsburg in die Verlaufskurve reingeraten sind. Keine Absicht.

Archiv zum Thema:

2015/16

Zuschauerentwicklung 2015

Zuschauerentwicklung II – DEL 2015/16

2014/15

Zuschauerentwicklung III, Part I – Hamburg

Zuschauerentwicklung III, Part II

Zuschauerentwicklung III, Part III

Zuschauerentwicklung II

Zuschauerzahlen – Der liebste Gast

Zuschauerentwicklung

 

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3 Gedanken zu “Zuschauerentwicklung DEL – 2016/17

  1. Der Knick in München kommt durch die Ladies Night beim Spiel gegen Schwenningen, wo alle Frauen freien Eintritt hatten. Was erstaunlich viele Damen anlockte.

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