Vorschau auf die Preplayoffs – so ganz allgemein

Am 11. September hat die Hauptrunde begonnen, fast auf den Tag genau sechs Monate später werden die letzten beiden Playoffteilnehmer gekürt. Und wenn man sich das Teilnehmerfeld anschaut, beginnt man eigentlich mit der Frage: Was haben sie denn eigentlich für eine Saison gespielt.

Zum Liveticker.

Vielleicht stellt man sich aber auch die Frage, was haben DIE denn für eine Saison gespielt?

Um darauf die richtige Antwort zu geben, empfehle ich ein Gedankenexperiment. Man drehe die Uhr um diese Monate zurück, ganz praktisch, das geht bei meiner Küchenuhr, man muss aber aufpassen wie ein Schießhund, weil es sich um eine Funkuhr handelt. Und die Dinger wehren sich (Hab vier Versuche gebraucht und dabei fast einen Finger verloren!)

Zweite Stufe: Du nimmst zwei x-beliebige Paarungen und fragst beispielsweise: Kölner Haie gegen Adler Mannheim: In welcher Runde treffen die aufeinander? Wer hier Preplayoffs antwortet, grinst dabei wahrscheinlich schelmisch. Nehmen wir die andere Paarung und dieselbe Frage: Der ERC trifft auf die Tigers. In welcher Runden? Also MEINE Antwort wäre da gewesen, klare Sache, Preplayoffs. Und: Da hat der ERC aber keine so gute Saison gespielt.

Drehen wir die Uhr ein ganzes Jahr zurück, give or take, treffen wir auf folgende Situation: Straubing und Köln haben es nicht in die Preplayoffs geschafft und sind schon in Sommerpause. Mannheim und Ingolstadt werden im Finale aufeinander. Wir stehen im Augenblick vor der Situation, dass erstmals, seit es die DEL gibt, sowohl Meister als auch Vizemeister es nicht in die Playoffs für Erwachsene schaffen könnten. Für völlig unrealistisch halte ich diese Aussichten nicht.

Es läge noch eine weitere Vorgehensweise vor, um Erwartungen VOR der Saison mit dem Geleisteten abzugleichen. Man könnte vielleicht von den Gesetzen des Marktes sprechen. Die Straubing Tigers stellen das einzige Team unserer vier Preplayoffkandidaten, dass die Hauptrunde mit demselben Trainer beendete, mit dem man sie begann. Auch ein guter Indikator.

ERC Ingolstadt – Straubing Tigers

Gönnen wir uns zunächst einen Blick auf den Saisonverlauf beider Teams. Besonders markiert habe ich in den Grafiken den Zeitpunkt, an dem nach dem Trainerwechsel der Neue erstmals verantwortlich hinter der Bande stand.

Eine grundsätzliche Bemerkung vorweg, die ein wenig die Beantwortung der immer wieder gestellten Frage, ob ich Lieblingsteams hätte, versucht. Ich begebe mich dafür auf neutrales Gebiet, Fußball, und sage es mal so: Die Tradition eines Clubs ist mir weitgehend egal, spielen die guten Fußball, bin ich zufrieden. Aber ich unterscheide schon zwischen warmen und kalten Clubs. Nimm Hannover 96, steigen die ab, so what, so wie die spielen. Aber die Saison, als sie im Europa-Cup spielten, konnte ich sie mir gut angucken. Das wäre ein kalter Club. Und um die Kurve auf die Serie zwischen Ingolstadt und Straubing zu bekommen: Ich würde es beiden Teams wirklich gönnen, in die nächste Runde einzuziehen. Das ist nicht bei allen Preplayoffteams der Fall, auch wenn es sich bei keinen um einen kalten Club handelt (Keine Ahnung, ob man das jetzt nachvollziehen kann.)

Zurück zum Saisonverlauf: Der phänomenale Saisonstart der Tigers ist zumindest mir noch in lebhafter Erinnerung. In irgendeinem Rückblick habe ich mal geschrieben, eine Mannschaft, die so gut startet, schafft es mit über 90 Prozent – nach dieser Saison ist die Zahl sogar leicht höher – mindestens in die Preplayoffs. Ich bin einigermaßen erleichtert, dass sich diese Prognose bestätigt hat. Auch in den nächsten Jahren fällt Straubing in dieser Hinsicht nicht unter die Ausnahmen. Eine lange Durststrecke ließ sie dann am 27. Spieltag bis auf den drittletzten Tabellenplatz zurückfallen. Damit hatten sie sich eine Grube gebuddelt, aus der sie nur schwer wieder herauskamen. Ab dem 34. Spieltag ging es wieder aufwärts, die Trendwende kam mit einem 2:1-Sieg nach Penaltyschießen gegen Wolfsburg. Es folgten acht Spiele in Folge ohne Niederlage in regulärer Spielzeit, die im Prinzip die Basis dafür bildeten, dass die Tigers jetzt dabei sind.

ppostraubingingolstadt

Beim ERC muss man eigentlich festhalten, dass der in dieser Saison mit zwei Mannschaften gespielt hat. Nicht ganz die erste Saisonhälfte unter Emanuel Viveiros, der ERC hatte sich damals zusammen mit Krefeld am Tabellenende festgesetzt, bereits leicht abgeschlagen, und ab dem 21. Spieltag unter Kurt Kleinendorst. In der Zeit, in der hinter der Bande bei den Schanzern stand, waren nur vier Mannschaften besser als der Vizemeister, in dieser Reihenfolge: München, Wolfsburg, Berlin und Ingolstadt. Wir waren hier also defintiv Zeuge eines Trainerwechsels, der sich ausgezahlt hat. Um die Hypothek abzuzahlen, die  Viveiros hinterlassen hatte, brauchten die Schanzer zwar fast bis Ende der Hauptrunde, aber gefühlt gehen sie für mich als eigentlicher Viertelfinalteilnehmer in die Serie gegen die Tigers.

Das soll die Leistungen der Tigers nicht schmälern, denn eines muss man anerkennen, gerade in der Schlussphase, als es für Straubing um alles ging, zeigten sie ihre beste Leistungen unter höchstem Druck: Der Sieg in München, alle Achtung, und das geschah nicht, weil München schwach gespielt hätte. Der Sieg gegen den direkten Konkurrenten AEV, der Spaziergang durch Mannheim. Drei Siege, alle auswärts – den nervlichen Anforderungen, die so eine Aufgabe wie eine Preplayoffserie an die Tigers stellt, scheinen sie allemal gewachsen. Das deutet jedenfalls an: Straubing ist bereit. Gewappnet und bis an die Zähne bewaffnet. Was freue ich mich auf diese Serie.

Die Playoffgeschichte der Tigers, sie ist eine kurze. Zweimal standen sie bisher in der Postseason, in den Spielzeiten 2011/12 und 2012/13. Wer nach Omen suchen will, wer macht das schon, Eishockey-Teams wie Fans sind Rationalisten: Beide Male überstand Straubing die erste Runde, sei es nun Preplayoffs wie 12/13 oder Viertelfinale (11/12), an der man teilnahm.

In Sachen Playofferfahrung sind die Schanzer da natürlich klar im Vorteil, was nicht nur für den  Club gilt, viele ERC-Akteure standen sogar schon in den letzten beiden Jahren in der Finalserie. Insgesamt stehen die Schanzer zum 12. Mal in der Postseason, aber noch nie gegen Straubing. Drei Preplayoffserien hat Ingolstadt bestritten, 2007/08, Hamburg hatte Heimrecht, Ingolstadt schied aus. 2009/10 war man mit Heimrecht erfolgreich gegen Köln. 2013/14 warf man mit Auswärtsnachteil den amtierenden Meister aus Berlin aus dem Rennen. Titelwahrscheinlichkeit nach gewonnener Preplayoffserie: 50 Prozent. Für den ERC ist es die 22. Playoffserie, elf haben die Schanzer bisher gewonnen.

Wie in der Überschrift bereits angeführt, beschränke ich mich hier auf eine ganz allgemeine Vorschau, konkret auf die einzelnn Spiele einzugehen, behalte ich mir für den Liveticker vor. Das gilt auch für die zweite Preplayoffpartie.

 

Kölner Haie – Adler Mannheim

Im Unterschied zum anderen Spiel muss ich bei diesem Duell bekennen, ich gehe emotional nicht unvorbelastet ´rein. Beim Duell Ingolstadt – Straubing sehe ich zwar leichte Vorteile beim ERC, aber eigentlich ist für mich diese Serie relativ offen. Ich kann es beiden gönnen.

Das gilt allerdings nicht für die Serie Köln – Mannheim. Ich will jetzt nicht polemisch werden, aber die Chancen auf das Viertelfinale schätze ich für Köln so ein: 147 %, Mannheim – 75 %. Ups.

Okay, ein bisschen polemisch ist es geworden. Lass es mich so ausdrücken. Ich gönne es den Adlern nicht die Bohne. Null, nichts, nada. Und um mich zu so einer Aussage hinreißen zu lassen, braucht es schon recht viel. (Die Leute, mit denen ich Fußball spiele, sagen immer, ich würde zu wenig reden, so sieht das nämlich aus!) Kurzum, ich will die Adler nicht im Viertelfinale sehen, und wenn die Haie mich richtig sauer machen wollen, dann verlieren sie diese Serie. Ich bin einfach kein Freund davon, wenn interne Probleme auf dem Eis ausgetragen werden. Auch dort intern.

Es ist ein Duell, das die Massen bewegt, wir sprechen hier von den Teams mit dem zweit- (Köln) und dem drittbesten (Mannheim) Zuschauerschnitt in der DEL. Ganz ehrlich: Wie ausgehungert nach gutem Eishockey muss man in Mannheim sein, wenn man bei schlechtem schon so in die Halle strömt. Über 303.000 Zuschauer fanden in die SAP-Arena, das reicht an die Saison 09/10 heran! (Ein Jahr später waren es mehr, aber auch bei zwei Heimspielen mehr.) Vielleicht sind es aber auch nur die Nachbeben der Meisterschaftssaison (Fast dieselbe Mannschaft war Meister! Und hei, was haben die einen feinen Puck gespielt) Man kommt wieder und verlässt die Halle mit den Worten: Das kann doch einfach nicht sein?! Nächste Woche gehe ich wieder hin, ob das wirklich so war. Jede Woche auf`s Neue.

Schauen wir auf den Saisonverlauf beider Teams, ja, ich weiß, das ist harte Kost, aber es gehört eben dazu, da müssen wir jetzt durch … (auch hier sind die ersten Spiele unter dem neuen Übungsleiter farblich hervorgehoben)

ppomannheimkoeln

Welchen Impact hatte der Trainerwechsel bei den Haien? Als Cory Clouston sein Amt antrat, standen die Haie auf Platz 10. Nach zwei weiteren Niederlagen, die die Haie sogar unter den Strich absinken ließen, begann die lange Aufholjagd, die sie am Ende sogar zum Spitzenreiter unter den Preplayoffteams werden ließen. Als ich mich vor ein paar Wochen mit dem Restprogramm vor dem Endspurt der Hauptrunde befasste, lagen die Haie noch auf Platz 9, hatten aber meiner Einschätzung nach von allen Preplayoffkandidaten das mit Abstand schwerste Restprogramm (Tube meinte zu mir, wenn wir das schaffen, hat jeder vor uns Angst). Entweder habe ich mich bei dieser Einschätzung fürchterlich getäuscht (sehr, sehr unwahrscheinlich), oder Clouston war genau der richtige Mann am richtigen Ort (diese Antwort ist richtig). Innerhalb kürzester Zeit ist Clouston das gelungen, was Niklas Sundblad nicht schaffte: Er verpasste den Haien ein System, mit dem sie auch erfolgreich sein konnten, das für die Mannschaft adäquat war. Nicht zuletzt aufgrund dieser Leistung sind die Haie für mich klarer Favorit, sie haben den besseren Trainer. „Erkenne die Möglichkeiten“.

Allerdings ist das keine Aussage über die Fähigkeiten von Craig Woodcroft. Der Trainerwechsel in Mannheim kam spät, viel zu spät. Und im Nachhinein drängt sich auch die Frage auf, ob er überhaupt nötig war. Greg Ireland war gescheitert, selbst dem unaufmerksamen Beobachter war das schon länger aufgegangen, da reichte ein Blick auf die Tabelle. Die Kurpfälzer hätten wahrscheinlich mehr Erfolg gehabt, wenn nach Ireland Dschingis Khan oder Spongebob (mein Held!) die Ämter übernommen hätte. Erzähle mir keiner, es lag in Mannheim am Trainer, es lag an der Mischung. Und so gesehen erscheinen in meinen Augen die ständigen Reihenexperimente bei Ireland im Nachhinein unter einem ganz anderen Licht. Ireland war eine arme Socke, die möglicherweise ein großartiger Trainer ist, aber Woodcroft musste in  dieselben Schuhe schlüpfen. Und wenn die keine Sohlen haben … aber mach was.

Seit Clouston in Köln übernommen hat, waren in der DEL nur vier Teams besser (genau wie beim ERC nach dem Trainerwechsel, nur handelt es sich um eine andere Auswahl) als die Haie: München, schon wieder München!, Wolfsburg, der KEV mit seinem perversen Endspurt und Straubing. Und die Reaktion bei den Adlern: Oh Mann, immer noch sieben Spiele. Die wussten ja nicht, dass die Freezers zu „irgendwas“ sein würden. Aus Adlerfansicht könnte ich mir das als Beginn einer wunderbaren Feindschaft mit den Freezers vorstellen.

Köln gegen Mannheim, so müsste eigentlich eine Finalserie heißen. Und vor der Saison wäre das durchaus für mich auch ein relativ sicherer Tipp gewesen. SO früh sind Köln und Mannheim in den Playoffs noch nie aufeinander getroffen. Bisher gab es drei Viertelfinals (94/95, 07/08 und 13/14), zwei Halbfinals (02/03, 06/07) und ein Finale (01/02). Ohne ins Detail zu gehen, waren ein paar legendäre Spiele darunter. Episch. Bis auf eine Ausnahme zu DEL-Zeiten (06/07) setzte sich immer Köln durch. Schon zu Bundesligazeiten sah das nicht viel anders aus: Köln gewann sechs von neun Serien. Und wenn die Haie in der DEL den Heimvorteil im Rücken hatten (02/03 und 07/08), haben sie auch gewonnen.

Fazit: Die Haie haben es sich verdient. Die Adler nicht. Bitte, Eishockeygott, da muss sich doch was machen lassen?


Witzig, ich habe mir den Text hinterher nochmal durchgelesen und hatte den Eindruck, dass ich auf die Adler echt sauer bin. Ich hatte, bevor ich den Text begann, folgendes Bild vor Augen: Kommt ein Adler zum Scharfrichter, höfliches Kerlchen, adrett gekleitet und fragt: Auf welchen Pflock soll ich das Köpfchen legen. Entgegnet der: Da, das ganz links, wo Haie draufsteht.

Ergebnisse der Hauptrundenbegegnungen:

7 02.10.2015 Kölner Haie Adler Mannheim 5 2
17 13.11.2015 Kölner Haie Adler Mannheim 0 3
27 18.12.2015 Kölner Haie Adler Mannheim 2 1
40 24.01.2016 Kölner Haie Adler Mannheim 2 3

Gastmannschaft in Rot.

8 04.10.2015 ERC Ingolstadt Straubing Tigers 4 3
22 29.11.2015 ERC Ingolstadt Straubing Tigers 4 2
29 22.12.2015 ERC Ingolstadt Straubing Tigers 6 2
48 26.02.2016 ERC Ingolstadt Straubing Tigers 4 3

Der späte Heiner fängt den Wurm:

Köln – Mannheim 4:2
Ingolstadt – Straubing 5:3

Bei Heiners Tipps möchte ich zu bedenken geben, dass der im Herzen ein Schanzer (hat mit der Vergangenheit zu tun, der hat wider besseres Wissen den ERC zur Meisterschaft gewürfelt) ist.  So ganz vollnehmen kann man das also nicht.

 

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7 Gedanken zu “Vorschau auf die Preplayoffs – so ganz allgemein

  1. Ganz klar die Adler haben es nicht verdient …sage ich als Mannheim Fan aber gegen Köln.,. Nein das geht gar nicht also VF ist Pflicht auch wenn die Augen danach weh tun

  2. Das längste DEL-Spiel wurde am 22./23. März 2008 zwischen den Kölner Haien und den Adler Mannheim ausgetragen. Die Kölner Haie gewannen das Spiel in der 6. Verlängerung nach 168:16 Minuten mit 5:4.

    Zeit neue Geschichte zu schreiben. Olaf würde sich bestimmt freuen, so ein Hochkaräter zum Start bis Tief in die Nacht zu kommentieren 😀

  3. Haters gonna hate. tralala Dann hoffe ich mal, dass die Adler den lieben Olaf noch ein Weilchen quälen 😀

    Wobei er natürlich Recht hat. All das, was da so hervorscheint aus dem Internen sieht nicht schön aus und ich bin froh, dass sich ein größerer Umbruch, sowohl auf dem Eis als auch im Manegement, ankündigt.

    Und mit den Haien hat man wohl den traditionell schwersten Gegner erwischt, quasi unsere Ice Tigers.

    Aber vielleicht, ja vielleicht geht das „Team“ ja auch mit einer „Jetzt ist auch egal, alles reinschmeißen und dann Tschüss“-Attitüde an den Start und es klappt…irgendwie….naja.

  4. Ist Heiner schon auf dem Weg ins Stadion oder warum „tippt“ er nicht? Vermutlich kugelt er sich noch vor Lachen über das Abschneiden der sogenannten TopTeams in dieser Saison 😜

    Auf ein paar schöne Spiele

  5. Ich fürchte mit solchen Kommentaren verscherzt Du es Dir mit Kamui …! 😉 Ich freue mich auch schon auf Deine Saisonnachlese der Freezers, dann hast Du es Dir mit mir vermutlich auch verscherzt. Das wirklich Dumme ist nur: Du hast Recht ….! (Dass ich das jemals schreiben würde …..!)

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