Unter anderem der Absturz der Adler – eine Zwischenbilanz

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mich etwa nach dem ersten Saisondrittel, genauer, in der Länderspielpause, näher mit den Offensiv- und Defensivstatistiken der DEL-Teams unter besonderer Berücksichtigung der Adler beschäftigt. Dies zu wiederholen, drängt sich förmlich auf.

Aus ganz konkretem Anlass damals, ich wollte einfach sehen, wie sich der Wandel in Mannheim auch in Zahlen belegen ließ. Ich will dies aus diesmal versuchen, dabei spielen auch die Adler wieder eine Rolle. Aber natürlich nicht ausschließlich. Denn auch die Veränderungen bei anderen Teams geben ganz schön was her.

Also der Reihe nach. Die beiden ersten Grafiken zeigen, in absoluten Zahlen, die zugelassenen Torschüsse der einzelnen Teams. Es gilt wie bei allen Grafiken, bei denen ich mit absoluten Werten hantiere, dass die für die aktuelle Saison (unten) etwas verfälscht ist, weil Schwenningen und Berlin eine Partie weniger ausgetragen haben.

Dazu noch eine Vorbemerkung. In diesen Grafiken sind alle Abschlüsse der Gegners erfasst, auch die, die an den Toren vorbeigehen bzw. geblockt werden.

Für mich tut sich schon gleich hier Überraschendes auf: Mannheim, sollte man glauben, verteidigt phänomenal. Schon in der letzten Saison lagen die Adler in dieser Kategorie weit vorne, aber hier muss man ja fast schon von einem Klassenunterschied im Vergleich zur Konkurrenz sprechen. Ja, die Zahlen sind verzerrt, aber trotzdem darf man wohl behaupten, dass die Eisbären den größten Sprung gemacht haben. Wie schon in der Saison zuvor lassen Iserlohn und Nürnberg die meisten Abschlüsse der Gegner zu, wobei aktuell noch der KEV ganz oben mitmischt. Hervorzuheben wären noch die guten Wert des ERC und der Haie.

Weiter im Text, jetzt kommen die beiden Schaubilder, die aufzeigen, wie viele der Abschlüsse zu Torschüssen wurden. Die also entweder vom Goalie abgewehrt werden mussten oder ins Tor gingen.

Das Bild ändert sich nicht wesentlich, gewinnt nur schärfere Konturen. Fangen wir mit den Haien an: Das sind gute Zahlen, über die Defenseleistung der Kölner darf es eigentlich keine Beschwerden geben. Aber das kann nicht direkt überraschen, dass das Problem der Haie eher bei den Abschlüssen liegt, ist ein offenes Geheimnis. Aber zu den Abschlüssen kommen wir später. Wieder drängt sich die Interpretation auf, dass Mannheim fantastische Abwehrarbeit leistet, wobei diese Zahlen jedoch nur eine Seite der Medaille sind. Iserlohn, aber auch Nürnberg, hat ein echtes Defenseproblem. Diese beiden Teams sind zusammen mit Krefeld echte Ausreißer im negativen wie Mannheim im positiven Sinne.

Aber kommen wir jetzt zum entscheidenden Punkt, nämlich, wie viele Chancen brauchst du gegen Team X, um ein Tor zu schießen. Berücksichtigt werden hier nur tatsächliche Torschüsse, keine Blocke, keine Schüsse daneben. Hier öffnet sich aus Mannheimer Sicht ein wahrer Abgrund. Und die Mannheimer Defense erscheint in einem völlig neuen Licht. Die Abstand zur Konkurrenz ist geradezu absurd hoch.  Natürlich gibt es immer leichte Unterschiede, aber grundsätzlich gilt: Je schlechter eine Mannschaft ist, desto weniger Torschüsse muss man gegen sie anbringen, um zum Erfolg zu kommen. Die Abstände von Team zu Team sind eher gering. Die obere Grafik zeigt die Werte aller Teams über die gesamte Hauptrunde in der letzten Saison. Ganz klar zu erkennen ist, es handelt sich um eine Treppe mit recht regelmäßigen Stufen. Das ist vernünftig und so, wie man das erwarten kann.

Genau ist zu erwarten, dass sich die Abstufungen in der zweiten Grafik, die die aktuelle Spielzeit zeigen, sich im weiteren Verlauf der Saison noch etwas angleichen werden. Allerdings gibt es hier schon ein paar sehr, sehr krasse Werte. Und die Erkenntnis, dass die Stärke des EHC in dieser Saison in erster Linie in der Defensive liegt. Das geben auch die Eindrücke her. München hat schon spektakulärer gespielt. Und spektakulär heißt auch, offensiv waren die Münchner schon viel beeindruckender. Wie wir bei den anderen Grafiken sehen konnten, liegt die Anzahl der Torschüsse, die München zulässt, im durchschnittlichen Bereich. Aber ergänzt man diese Zahlen mit letzten Grafik, erhält man die Bestätigung, dass die Münchner verdammt gut verteidigen. Sie lassen wenig zu, was wirklich gefährlich ist. Schwierigere Schüsse, schlechte Winkel, und das macht die Aufgabe für den Goalie auch viel einfacher.

Bei der DEG ist der Wert ebenfalls beeindruckend, in dieser Hinsicht gilt in etwas abgeschwächter Form Ähnliches wie bei München. Doch die Werte der Adler sind eine reine Katastrophe. Und wer vielleicht den Auftritt gegen Krefeld noch vor Augen hat, kann sich wahrscheinlich die Erklärung dafür denken. Entscheidend ist nämlich nicht die Anzahl der Torschüsse, die eine Mannschaft zulässt –  sie spielt natürlich auch eine Rolle – sondern deren Qualität.  Wenn der Angreifer Winkel hat, erhöht sich natürlich die Wahrscheinlichkeit für ein Tor. Goaltending wird dann schnell zu einem Glücksspiel. Verlierer sind in diesem Fall Dennis Endras (85,84%) und Johan Gustafsson (85,38%). Das sind wirklich unfassbar schlechte Werte für Goalies. Da stimmt doch die Balance hinten und vorne nicht.

Soweit zu den Defense-Werten, beschäftigen wir uns jetzt einmal ein bisschen mit der offensiven Seite. Wäre ja auch ganz schön, wenn wir uns dem Phänomen Straubing ein bisschen annähern könnten.

Hier arbeitet ich zunächst wieder mit absoluten Zahlen, angezeigt werden alle Abschlüsse, auf die reinen Torschüsse gehe ich gleich ein. Zwei, drei Dinge fallen mir hier ins Auge. Schwenningens Augenmerk bei den Verpflichtungen für die Offensive macht sich bemerkbar, sie liegen im Liga-Durchschnitt. Die veränderte, kontrolliertere, vielleicht könnte man sagen, ausbalanciertere Spielweise Nürnbergs wird deutlich. Und die Adler sind immer noch die Mannschaft mit den meisten Abschlüssen. Welcher Qualität die Abschlüsse sind, wird vielleicht etwas deutlicher, wenn wir uns anschauen, wie viele Schüsse denn tatsächlich aufs Tor kommen.

Wie in der vergangenen Saison bringen die Eisbären (bei einem Spiel weniger!) die meisten Schüsse aufs gegnerische Tor, insgesamt unterscheide sich die Teams, schaut man sich jeweils die unmittelbaren Nachbarn an, nicht so wahnsinnig, auch wenn die Unterschiede zwischen den besten und den schwächsten Teams doch ganz schön groß sind. Interessanter wird es jedoch bei der Quote. Von der Gesamtzahl der Abschlüsse, wie viele kommen denn da tatsächlich aufs Tor?

So sah das letzte Saison in der Länderspielpause aus. Und aktuell?

München wieder topp, das überrascht nicht wirklich. Unfassbar gut ist der ERC, aber darauf komme ich gleich zurück. Die Quote der Adler unterscheidet sich minimal von der aus der letzten Saison. Einen kleinen Satz haben die Tigers gemacht. Alles in allem liegt das Feld recht nah zusammen. Aaaaber die Schanzer. Was ist da denn los? Lug und Trug, würde ich sagen. Etwas polemisch, ich weiß. Aber meines Erachtens liegt der Ausreißer, den der Wert der Schanzer darstellt, einzig und alleine an der Zählweise, an der Art, wie Torschüsse gezählt werden, wenn die Schanzer zu Hause spielen. Da schwindelt man sich ein wenig in die eigene Tasche.

Ich will das mit eine paar Zahlen belegen: Torschüsse Ingolstadt bei ein paar Heimspielen: Gegen Nürnberg 44 Abschlüsse, 40 aufs Tor, gegen Krefeld 42 Abschlüsse, 39 aufs Tor, gegen Bremerhaven 49:44, gegen Straubing 34:29, gegen Berlin 48:43. Das sind jetzt nur die Extrembeispiele, auch wenn Ingolstadt in allen anderen Heimspielen extrem gut abschneidet. Unmenschlich gut. Die Schanzer haben zu Hause eine Quote von 81%, DAS glaube ich nicht. Auswärts liegt die Quote im Normalbereich mit 58%. No way in hell, dass Ingolstadt so große Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtsspielen aufweist. Das widerspricht jeglicher Erfahrung.

Die nächsten Grafiken beschäftigen sich mit dem, was ich das letzte Mal Konvertierungsrate genannt habe. Also wie viele Torschüsse eine Mannschaft braucht, um zu einem Tor zu kommen.

Wie schon zuvor zeigt die obere Grafik wieder die Werte aus der letzten Saison. Wir vestehen die relativ geringe Torausbeute von Köln, Wolfsburg oder Augsburg ein wenig besser. Auch die Eisbären schlagen sich unter wert, denn ganz ehrlich, das hat man ja jüngst gegen Straubing gesehen, wie konnte sie da ohne etwas Zählbares wieder abreisen. Und apropos Tigers: Aha. Die treffen halt fast doppelt so gut wie die Haie. Und eigentlich sehen wir auch: Ein Sturmproblem haben die Adler jetzt nicht direkt.

Ich werde diesen Artikel in den kommenden Tagen noch ein bisschen ergänzen, aber bevor ich weiter mache, wollte ich euch die Möglichkeit einräumen, weitere Anregungen zu äußern oder auf Fehler hinzuweisen. Erklärungsergänzungen werden auch gerne genommen. Und vielleicht gibt es ja konkrete Fragen? Ich brauche schließlich noch ein wenig Spielraum für mein Fazit.

Ist die Überschrift eigentlich zu hart?

Zum Abschluss noch die Betrachtung, auf wie viele Torschüsse durchschnittlich eine Mannschaft pro Spiel kommt. Zunächst wieder die Grafik für die letzte Saison, auf die gesamte Saison bezogen.

Die aktuellen Werte an sich unterscheiden sich gar nicht so sehr von der letzten Saison, es gibt allerdings ein paar Verschiebungen in der Reihenfolge. Trotzdem lassen sich ein paar Schlussfolgerungen ziehen.

Nehmen wir die Haie. Wie wir hoben gesehen haben, brauchen sie extrem viele Abschlüsse, um Tore zu erzielen. Gleichzeitig geben sie im Durchschnitt die wenigsten Torschüsse ab. In dieser Kombination ist das eher nicht hilfreich.

Oder die Eisbären: Produzieren viel, haben aber noch eine eher schwächere Konvertierungsrate. Wenn die sich über den Verlauf der Saison etwas mehr dem Durchschnitt annähert, könnte es eine kleine „Leistungsexplosion“ geben.

Der leichte Rückgang bei München ist für mich ein weiteres Indiz dafür, dass man beim EHC die Spielweise leicht umgestellt hat mit etwas mehr Fokus auf der Defensive. Vielleicht ja einfach nur ein Experiment? Das sich der EHC zur Zeit dank der sehr, sehr guten Verwertungsrate auch leisten kann. Ist natürlich reine Spekulation, aber ich könnte mir vorstellen, dass das auch eine Reaktion auf die kraftraubende letzte Saison ist.

Das bringt mich zu den Tigers: Derer Verwertungsrate wird sich, ähnlich wie bei München und Mannheim, so nicht über die gesamte Saison halten lassen. Auf Dauer werden gerade die Tiger wahrscheinlich wie Mannheim mehr Chancen produzieren müssen.

Der Vorsprung des EHC fällt für mich in der Realität größer aus, als er tatsächlich sein sollte. Zumindest bei den Spielen, die ich beobachten konnte, waren die Münchner nicht SO viel besser, wie das die Tabelle auszudrücken scheint. Sie profitierten dabei, nehmen wir das Beispiel Köln, von der Unfähigkeit des Gegners, zu Toren zu kommen. Trotzdem ist der Vorsprung natürlich kein reiner Zufall. Die Mischung machts.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Top-Vier: Weder bei München noch Straubing, ebenso wenig wie bei der DEG, bieten diese Statistiken Anlass, nach der Länderspielpause groß etwas an der Spielweise zu verändern. Bei den Adlern sehe ich allerdings ein paar Baustellen, ich habe es bereits angesprochen, die Balance zwischen Offense und Defense stimmt nicht.

Und dahinter: Am meisten Potential sehe ich bei Berlin, aus statistischen Gründen, und Nürnberg, bei den Ice Tigers ist es aber am schwersten einzuschätzen. Nach der Länderspielpause wird das Team sein Gesicht ziemlich verändern durch die vielen Rückkehrer. Bleiben sie ihrer ausgewogeneren Spielweise, im Vergleich zur letzten Saison jedenfalls, treu, dürfte es eher weiter nach oben gehen.

2 Kommentare zu „Unter anderem der Absturz der Adler – eine Zwischenbilanz

  1. Zu den Auswertungen generell: Mir ist auf den ersten Blick nicht klar, auf welche Daten sich die einzelnen Graphen beziehen: Welche Saison? Gesamte Saison oder „bis zur Länderspielpause“?
    Ansonsten: eine sehr informative Auswertung. Fettes Daumen hoch dafür.

    –kay

  2. Bei der ERC-Statistik musste ich ja tatsächlich ein wenig schmunzeln.

    Bei den Adler-Zahlen natürlich weniger. Und das Schlimme daran ist ja eigentlich, dass der dramatische Einbruch in den letzten 2-3 Wochen auch noch gegen die Teams von unten passiert ist.

    Der Spielplan nach der LS-Pause bietet eig. die Chance, eine Reaktion zu zeigen. Mal sehen, ob es eine gibt.

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