Kampf der Giganten oder Godzilla vs. King Kong

Es ist am Ende doch das Finalduell geworden, das alle erwartet hatten. Hauptrundensieger Mannheim genießt Heimrecht gegen den Titelverteidiger. Vorhersehbar? Ja. Allerdings hat der EHC in den ersten Runden ganz schön Federn gelassen. Die Adler dagegen waren noch nicht einmal ansatzweise in der Mauser.

Mannheim vs. München

Tippspiel

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Für die Münchner ist es eine ziemlich neue Situation. Sie gehen in eine Playoffserie, die zwölfte in Folge. Und zum allerersten Mal tun sie das nicht aus der Position des Favoriten.

Und auch das ist neu: Vor drei Jahren brauchten sie zehn Partien, vor zwei Jahren neun, letzte Saison ebenfalls neun Spiele, um ins Finale einzuziehen. Diesmal haben sie schon 13 absolviert. Nach der 14. Partie, sieht man von letztem Jahr ab, waren sie normalerweise schon Meister. Letztes Jahr absolvierten sie in den Playoffs 17 Spiele zum Titel. Und dafür müssten sie die Adler schon sweepen. Glaubt das irgendjemand?

Ganz witzig finde ich, dass der EHC in dieser Saison in den Playoffs fast auf dieselben Gegner wie in der letzten Saison trifft. Gut nicht Bremerhaven, weil die Pinguins schließlich von Nürnberg rausgeworfen worden. Aber gegen den damaligen Finalgegner Berlin setzten sie sich bereits im Viertelfinale (4:2) durch, nun geht es gegen die Adler. Die waren letztes Jahr Gegner im Halbfinale (4:1). Und blieben ziemlich chancenlos. In der bisher einzigen Playoffserie, in der diese beiden Teams bisher aufeinandertrafen.

 

Die letzte Meisterschaft der Adler liegt schon paar Jahre zurück, aber es stehen immer noch ein paar Spieler im Kader, die dabei waren. Dennis Endras, Denis Reul, Sinal Akdag, was die Defense betrifft. Aus dem Angriff noch Matthias Plachta und bedingt Marcus Kink.

Bei den Münchnern sind aus der ersten Meisterschaftsmannschafts auch nicht mehr so fürchterlich viele Spieler an Board: Danny aus den Birken, inzwischen die unumstrittene Nummer eins, Daryl Boyle, Michael Wolf, Mads Christensen, Frank Mauer, Yannic Seidenberg (damals noch Stürmer), Maxi Kastner, Andi Eder und die beiden verletzten Jason Jaffray und Konrad Abeltshauser.

Die Adler feiern ein Jubiläum, sie tauchen zum zehnten Mal im DEL-Finale auf, gewonnen haben sie davon sechs. München spielt sein drittes viertes Finale, die Bayern haben bekanntlich noch nie eines verloren.

Das Finale bestreiten also die beiden mit Abstand besten Teams der Hauptrunde. Und dieser Abstand hatte es in sich. Hätte München die Hauptrunde gewonnen, hätten die Bayern das mit dem zweitgrößten Vorsprung aller Zeiten getan (23 Zähler), ähnlich dominierten bisher nur die Eisbären in der Spielzeit 2009/10 das Geschehen, als sie die Hauptrunde mit 25 Punkten Vorsprung vor Frankfurt gewannen. In dieser Spielzeit wurden sie jedoch von den Adlern noch um sieben Zähler übertroffen! 30 Punkte Vorsprung vor dem Dritten! Das gab es noch nie.

Es wurden aber in dieser Saison noch andere Rekorde gebrochen. Von der reinen Spielzeit war die Serie zwischen München und Augsburg im Halbfinale die längste aller Zeiten. Im Spiel sieben merkte man den Panthern deutlich an, dass es zu einem reinen Verschleißkampf geworden war. Die Schwaben hatten einfach nichts mehr hinzuzusetzen. Sie waren am Ende ihrer Kräfte. Die Münchner wirkten frischer. Aber sie gehen mit nur einem Tag Pause ins Duell mit den Adlern. Nach so einer Serie ist das ein echter Nachteil, egal, ob die Adler ihren Spielrhythmus nach zehn Tagen Pause erst wieder finden müssen oder nicht. Zumal diese Zeit ausreichen müsste, um kleinere Blessuren zu kurieren. Wenn Pavel Gross seine Mannschaft ins Finale führt, steht die voll im Saft, das Fleisch von Don Jacksons Truppe dürfte, bei aller Euphorie, schon etwas trocken sein nach dem langen Schmoren.

Während Gross seine Mannschaft bei so viel Zeit bestens auf den Gegner vorbereiten konnte, wird Jackson die Zeit zwischen den Spielen gegen Augsburg kaum genutzt haben, um sich auf einen eventuellen Gegner vorzubereiten. Die Münchner hätten eigentlich genau das gebraucht, was wir in der Viertelfinalserie gleich zweimal hatten. Alleine schon für die Regenerierung: Nach dem Sonntagsspiel eine lange Pause bis Freitag.

Noch nie ist eine Mannschaft, die im HF über sieben Spiele gehen musste, Meister geworden. Das mag banal erscheinen, weil es das vorher ja auch noch nie gab. Aber in Zeiten (vor der Saison 2013/14), als das HF im Best-of-Five ausgespielt wurde, war das noch anders. Ging es über die volle Distanz, waren das eben nur fünf Partien. Und die gingen dann auch nicht unbedingt gleich mehrfach in Verlängerungen. Fazit: Es ist ein verdammt steiler Berg, den die Münchner da erklimmen wollen.

Schauen wir auf die Ergebnisse in der Hauptrunde. Zwei Spiele endeten erst nach Penaltyschießen, beide Teams gewannen jeweils die Auswärtsspiele. Das spräche jetzt dafür, dass der Heimvorteil jetzt nicht so die Wahnsinns-Relevanz hätte.

Dagegen steht, dass Mannheim in den Playoffs bisher alle Heimspiele gewonnen hat. München gab in den beiden bisherigen Serien jeweils ein Heimspiel gegen Berlin und Augsburg ab.

Mannheim vs. München, dass ist nicht nur ein Duell zwischen zwei Eishockey-Großmächten, es ist auch ein Trainerduell. Pavel Gross vs. Don Jackson. In seiner ersten Saison als Chefcoach bei den Grizzlys (2010/11)  traf Gross erstmals im DEL-Finale auf Jackson, die Eisbären gewannen 3:0. Als Jackson 2014/15 neu in München übernommen hatte, gab es eine Neuauflage dieses Duells. Diesmal sweepten die Grizzlys München im VF (4:0). In den beiden darauffolgenden Jahren gab es dann zwei Finalerfolge von Jackson gegen die Grizzlys (4:0 und 4:1).  Es ist also bereits das fünfte Playoffduell zwischen Gross und Jackson, die beiden müssten eigentlich jeden Winkelzug des anderen kennen. Denn, und das ist eigentlich entscheidend: Die beiden stehen sich auch schon zum vierten Mal in einer Finalserie gegenüber! Und an Finalserien erinnert man sich einfach länger. Das zweithäufigste Trainerduell in der DEL ist Don Jackosn vs. Harold Kreis, das es zweimal gab, ebenso wie Uwe Krupp gegen Don Jackson.

Zu den beiden Mannschaften muss ich eigentlich nicht viel mehr sagen. Die Adler gewann die Hauptrunde mit dem besten Sturm und der besten Defense, die Münchner belegten in beiden Kategorien Platz zwei.

Mein Fazit: Die Adler sind für mich klarer Favorit. Aus mehreren Gründen. Zum einen steht ihnen für die Finalserie der tiefere Kader zur Verfügung. Zum zweiten sind sie, natürlich nicht ohne Kraftaufwand, aber doch relativ zügig durch die Vorserien gekommen, während der EHC die Dominanz und Souveränität der letzten Jahre nie ausstrahlen konnte. Zum dritten hat München zwei schwere Serien in den Gliedern und kaum Zeit, sich davon zu erholen. Tatsächlich befürchte ich ein bisschen, dass die Serie nicht sonderlich lang wird. Für den EHC dürfte Spiel eins von entscheidender Bedeutung sein. Die Adler hatten schon nach der langen Pause nach dem Viertelfinale doch etwas Mühe, wieder in Tritt zu kommen. Die Haie konnten davon nicht profitieren. Da könnte ich mir vorstellen, dass sich die Münchner etwas cleverer anstellen. Ich glaube übrigens nicht, dass sich außerhalb Münchens viele über einen vierten Titel in Folge für die Bayern freuen würden. Das kommt noch dazu. Den Münchner bläst ein mentaler Sturm ins Gesicht.

Termine:

Mannheim vs. München, Donnerstag 19:30 Uhr
München vs. Mannheim, Samstag 20:00 Uhr
Mannheim vs. München, Montag 14:00 Uhr
München vs. Mannheim, Mittwoch 19:30 Uhr
Mannheim vs. München, Freitag 19:30 Uhr
München vs. Mannheim, Sonntag 14:00 Uhr
Mannheim vs. München, Dienstag 19:30 Uhr

Heiner

Mannheim vs. München 5:6 n.V.

Heiner haut einen raus.

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