DEL – Viertelfinale 2017/18 – Vorschau

Das Viertelfinale. Die richtigen Playoffs. Für mich sind Preplayoffs nichts anderes als die Kompensation dafür, dass es immer noch keinen Abstieg/Aufstieg gibt. Aber mit den  Viertelfinalserien beginnt der Ernst des Lebens.

Spiel 1 – Liveticker
Chat
Tippspiel

Das Teilnehmerfeld bringt es zusammen auf 94 Playoffteilnahmen, dabei habe ich weder die Achtelfinalserien der frühen Jahre, noch die Preplayoffs berücksichtigt. In der Verlosung sind 18 von 23 Meistern der DEL.

Die meisten Teilnahmen können Köln und Mannheim für sich verbuchen, bis die eingeholt bzw. überholt werden, wird noch verdammt viel Zeit ins Land gehen.

Schauen wir auf die Tabelle, die nur die Spiele der Viertelfinalteilnehmer untereinander berücksichtigt, und das finde ich ganz kurios, sähen die Paarungen genau so aus wie jetzt, nur bei der Paarung Ingolstadt/Mannheim wäre das Heimrecht vertauscht.

Nürnberg – Köln

Wenn man bedenkt, dass die Ice Tigers bisher 15 mal Viertelfinals gespielt haben, die Haie gar 20 mal, ist es doch irgendwie erstaunlich, dass beide Teams erst zum zweiten Mal in den Playoffs überhaupt aufeinandertreffen. Wann war das? In der Saison 2005/06. Nürnberg hatte als Vierter der Hauptrunde Heimrecht, und flog nach einem Sweep durch die Haie sang- und klanglos aus den Playoffs. Bisher ist man sich geflissentlich nach Möglichkeit aus dem Weg gegangen.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit für das Team, die das erste Spiel gewinnt, liegt bei 78 Prozent.

Es treffen hier zwei sehr playofferfahrene Teams aufeinander, die Haie haben in den letzten acht Jahren nur einmal das Viertelfinale verpasst, die Franken stehen zum fünften Mal in Folge im Viertelfinale.

Betrachten wir den Saisonverlauf beider Teams, lässt sich auf den ersten Blick erkennen, dass Nürnberg (blau) eine sehr starke Hauptrunde gespielt hat. Die Franken standen die gesamte Spielzeit nie schlechter als Platz drei. Bis Anfang Januar waren sie sogar die meiste Zeit Tabellenführer. Es lässt sich aber auch gegen Ende der Spielzeit ein kleiner Einbruch erkennen, einer der Faktoren könnte die Verletzung von Steven Reinprecht gewesen sein, der seit kurz vor Weihnachten wegen einer Rücken-OP fehlte.

Bei den Haien übernahm nach 24 Spielen Peter Draisaitl (grün markiert) von Cory Clouston, praktisch auf dem Tiefpunkt der Kölner Saison. Danach stabilisierten sich der Ergebnisse ein wenig, ohne dass man behaupten könnte, dass Köln nun durchgestartet wäre. Die Trennung von Shawn Lalonde erinnerte stark an die letzten Saison, als man sich in Playoffnähe von Patrick Hager trennte. Der Abgang von Lalonde bedeutete den Verlust eines Top-Verteidigers, mit Fredrik Eriksson verletzte sich ein weiterer Verteidiger bei der vorletzten Partie gegen die Adler – bei ihm ist noch nicht klar, ob er rechtzeitig zum ersten Spiel gegen Nürnberg wieder fit ist.

Nürnberg musste im letzten Hauptrundenspiel mit Tom Gilbert, Patrick Reimer, Marco Pfleger, Milan Jurcina und Marius Möchel gleich auf fünf Spieler verzichten, bis auf Pfleger sind dies jedoch nur kurzfristige Ausfälle.

Ein wenig Gift steckt in der Partie von Anfang an, was mit der Spielplangestaltung zu tun hat. Durch die diversen Hallenvergaben treffen die beiden Mannschaften nämlich Mittwoch und Donnerstag aufeinander. Dabei bin ich mir sicher, auf der DEL-Seite schon gelesen zu haben, die Serie sollte eigentlich bereits am Dienstag beginnen. Aber mach was.

Die Ergebnisse der Hauptrunde: Die Ice Tigers gewannen beide Spiele in Köln 3:2 (4./30.Spieltag), in Nürnberg endeten die Spiele 5:2 und 1:3 (17./45.)

Für mich sind die Franken in dieser Serie favorisiert – das waren in den Preplayoffs allerdings auch die Roosters. Während Nürnberg zeitweise überragendes Eishockey gespielt hat, haben mich die Haie in dieser Saison nur selten wirklich überzeugt, wobei ich aber auch eingestehen muss, dass mir der Sieg im letzten Spiel in Ingolstadt imponiert hat.

 

Ingolstadt – Mannheim

Der ERC und die Adler haben bisher zwei Playoffserien gegeneinander ausgetragen, ein Halbfinale (2011/12) und ein Finale (2014/15), in der Halbfinalserie 2011/12 hatte Ingolstadt Heimrecht, bei der Finalserie 2011/12 die Adler. Beide Serien endeten zu Gunsten der Kurpfälzer.


In 23 Jahren Playoffs lassen sich leichte Vorteile für den Viertplatzierten der Hauptrunde festhalten, in 14 Fällen setzte sich dieses Team durch. Die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mannschaft, die das erste Spiel gewinnt, liegt bei 74 Prozent.

Zum Saisonverlauf der beiden Mannschaften. Beim ERC grün, bei Mannheim gelb gekennzeichnet, der Zeitpunkt des Trainerwechsels, sprich, das erste Spiel unter neuer Leitung. Die Saison der Adler, sie war keine gute. Es ist bereits genug darüber geschrieben worden, die Folgen sind bekannt: Bill Stewart übernahm nach 28 Spielen von Sean Simpson, von Anfang an war Stewart als Übergangslösung gedacht, als Platzhalter, wie sich bald herausstellte, für Pavel Gross. Es gibt also Argumente, die dafür sprächen, Stewart von Anfang an als lahmendes Pferd zu bezeichnen. Die Adler-Saison war von fürchterlichem Verletzungspech geprägt, was dazu führte, dass am Ende der Saison insgesamt 32 Spieler Einsätze bekamen! Stewart erwischt eine denkbar schlechten Start mit zwei Siegen aus den ersten zehn Spielen. Doch am Ende bekamen die Adler doch noch die Kurve. Die Form im Schlussspurt stieg steil nach oben, auf Grund des sehr engen Mittelfelds schafften es die Adler tatsächlich noch, sich direkt für das Viertelfinale zu qualifizieren. Danach hatte es lange Zeit nicht ausgesehen.

Zwei Trainerwechsel hat der ERC hinter sich. Nach der Trennung von Tommy Samuelsson ließ sich Larry Mitchell, der zwischenzeitlich die Position des Übungsleiters übernahm, sehr viel Zeit mit der Findung eines „Ersatzmannes“, und diese Geduld zahlte sich aus. Doug Shedden erwies sich für die Schanzer als wahrer Glücksgriff. Ich habe es schon mehrfach angesprochen und wiederhole es hier gerne: Keine Mannschaft hat nach dem Dienstantriff Sheddens mehr Zähler geholt als der ERC. Shedden übernahm den ERC auf Platz 11, mit 14 Punkten Rückstand auf Platz vier, auf dem Ingolstadt die Hauptrunde beendete. Mit gewisser Berechtigung ließe sich behaupten, der ERC habe die Saison mit zwei völlig unterschiedlichen Mannschaften gespielt.

In allen Serien gibt es für mich einen klaren Favoriten, nur in dieser nicht. Der Heimvorteil spricht zwar für den ERC, aber bei diesem Duell tappe ich völlig im Dunkeln. Ein Blick auf die Schlussphase der Saison untermauert das vielleicht noch, die Formkurve oben lässt es vielleicht auch erraten: Mannheim war vor Ingolstadt das stärkste Team der DEL in den letzten Wochen vor den Playoffs. So gesehen ist diese Begegnung das Spitzenspiel in den Viertelfinals.

 

Die Ergebnisse der Hauptrunde: Der ERC verlor beide Spiele in Mannheim 1:3 (10./45. Spieltag), unterlag im ersten Heimspiel 0:1, gewann das zweite Heimspiel 4:3 (19./29.).

München – Bremerhaven

The same procedure as last year. München spielt als Hautprundensieger erneut gegen Bremerhaven in der Partie der beiden Mannschaften mit der wenigsten Playofferfahrung. Ganz ehrlich: Für die Pinguins ist es schon ein Erfolg, wenn sie nicht wieder gesweept werden.

Wie die Grafik zeigt: Die Chancen, dass der Hauptrundensieger die Viertelfinalserie der Playoffs nicht übersteht, kann als verschwindend gering betrachtet werden. Die Paarung Erster gegen Neunter gab es bisher fünf Mal, nur einmal setzte sich der Neunte durch, und der wurde dann auch gleich Meister.

Die Formkurve der Münchner, die ist eigentlich keine Kurve, die ist ein Strich von unten links nach oben rechts. Ein erstklassiger Saisonbeginn, eine Verschnaufpause kurz vor Mitte der Saison.  Und am 26. Spieltag begann der Meister mit dem Schlussspurt. Das ist fast schon beängstigend.

Bremerhavens Saison entsprach mehr oder weniger den Erwartungen, die Mannschaft spielte von Anfang an um die Preplayoffs, legt ebenfalls einen guten Schlussspurt hin, verpasste am Ende um drei Zähler die direkte Teilnahme am Viertelfinale. Das wiederum hätte man dann durchaus als kleine Sensation feiern können. Beachtlich: Im zweiten Jahr in der DEL steht Bremerhaven bereits zum zweiten Mal im Viertelfinale. Das es jetzt schon wieder gegen München geht, ist ein Stück weit bitter.

Die Art der Anreise beider Teams in den letzten Playoffs unterstreicht den Klassenunterschied sehr schön: Die Münchner reisten über den Bremen International Airport an, die Pinguins nahmen den Bus. Viel mehr muss man da gar nicht sagen, um die Ausgangslage zu beschreiben.

Die Münchner verfügen über den mit Abstand besten Sturm der DEL (183 Tore, Berlin als zweiter hatte 169) und die nach Nürnberg beste Defensive. Keine Mannschaft, die im Viertelfinale steht, hat weniger Tore als Bremerhaven geschossen, und keine hat mehr Gegentreffer kassiert. Das spricht eine deutliche Sprache. Andererseits hat sich Fischtown immerhin durch die Preplayoffs gesweept, aber trotzdem muss man von einem krassen Außenseiter sprechen.

Die Spiele der Hauptrunde: München gewann zu Hause 5:3 und 5:2 (13./29. Spieltag), unterlag 2:3 in Bremerhaven und gewann dort im vorletzten Spiel 5:1 – das Spiel ohne die sieben Olympiafahrer (28./51.).


Berlin – Wolfsburg

Die Eisbären sind wieder eine Macht, mit der zu rechnen ist. Seit 2001/02 sind die Hauptstädter immer noch mit dabei, wenn die Hauptrunde abschlossen ist. Die letzten Jahre waren von einem fast kompletten Umbau geprägt, der so langsam vollzogen zu sein scheint. Die Grizzlys haben es in den letzten fünf Spielzeiten immer mindestens bis ins Halbfinale geschafft.

Wird es die letzte Playoffserie der Grizzlys unter Pavel Gross? Eine Serie haben beide Teams schon miteinander ausgespielt, das liegt vor allem daran, dass die beste Jahre der Grizzlys nicht unbedingt mit den besten der Eisbären zusammengefallen sind. Die besagte Serie gab es in der Spielzeit 2010/11, eine Best-of-Three im Finale, die Berlin 3:0 gewann. Mit anderen Worten: Wolfsburg hat noch NIE ein Playoffspiel gegen die Berliner gewonnen!

Die Konstellation Zweiter gegen Siebter gab es bisher 18 mal, elf Serien konnte der Zweite für sich entscheiden. Was ich ganz amüsant finde: Die Erfolgsaussichten des Zweiten im Viertelfinale entsprechen genau denen des Dritten und Vierten, lediglich der Hauptrundensieger geht als klarer Favorit in die Serie, historisch betrachtet.

Achtung: In den letzten vier Jahren ist der Hauptrundenzweite immer ausgeschieden.

Schauen wir auf die Formkurven der beiden Teams: Berlin (blau) mit einer ganz starken ersten Halbrunde ist zu wenig, sagen wir Zweidrittelrunde. Nach der Auftaktniederlage zu Saisonbeginn standen sie ab dem vierten Spieltag nie schlechter als Platz vier. Im Dezember gab es eine kleine Schwächephase, doch die Hauptrunde beendeten sie mit vier Siegen und sicherten sich so im Schlussspurt noch Platz zwei.

Wolfsburg kam mit der Doppelbelastung durch die CHL eigentlich ganz gut zu Recht, startete solide in die Saison und es sah lange Zeit so aus, als wäre die Mannschaft ein sicherer Kandidat für den vierten Platz. Eine Zäsur bildete die Bekanntgabe von Gross (gelbe Markierung), die Mannschaft nach Saisonende zu verlassen.

Wie bereits bei den Preplayoffs angemerkt, muss dieser Einbruch nicht unbedingt mit dem Abschied von Gross zusammenhängen, da Wolfsburg in den letzten Wochen auch gewaltige Verletzungsprobleme hatte. Gegen Schwenningen mag das noch gereicht haben, aber ich bin mir sicher, gegen eine Mannschaft wie die Eisbären werden sie einen solchen Stunt nicht wiederholen können.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Eisbären in der Offensiv ein ganz anderes Kaliber sind. Nur die Münchner haben mehr Treffer in dieser Saison erzielt, nur drei Mannschaften haben weniger Gegentreffer kassiert als die Eisbären. Während die Eisbären auf fast den kompletten Kader zurückgreifen, stehen hinter wichtigen Wolfsburgern dicke Fragezeichen.

Vorausgesetzt, die Grizzlys können das Line-up wieder etwas auffüllen, könnte die Serie spannend werden, wird’s aber eher ein Line-puh, schätze ich die Chancen für die Grizzlys als sehr gering ein.

 

Heiner

Berlin – Wolfsburg 0:1
München – Bremerhaven 1:2
Nürnberg – Köln 5:4 n.V.
Ingolstadt – Mannheim 5:2

Advertisements

2 Gedanken zu “DEL – Viertelfinale 2017/18 – Vorschau

  1. Das die Erfolgsaussichten von 2,3 und 4 gleich sind ist mir auch direkt aufgefallen 😀 Dann hoffen wir doch mal, dass sich das dieses Jahr etwas ändert^^

    Serientipps:

    München – Bremerhaven 4-0 (Come on)
    Berlin – Wolfsburg 4-2
    Nürnberg – Köln 4-1
    Ingolstadt – Mannheim 4:3 (Gewohnt optimisitisch bei den Adlern!)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s