Viertelfinale – DEL 2015/16 – Vorschau II

Postseason diesmal häppchenweise. Nach Berlin und München gestern steigen nun Düsseldorf, Iserlohn, Nürnberg und Wolfsburg in die Playoffs ein, alphabetisch sortiert, um jede Wertung zu vermeiden. Achtung, Spoileralert, hinterher weiß man wahrscheinlich mehr.

Mir ist gestern eine Super-Werbeidee eingefallen. VW hat gewisse rechtliche Probleme, geht dem Konzern ja nicht so gut. Und jetzt, mit den Playoffs und so, wäre das nicht eine Supergelegenheit, bei all der Aufmerksamkeit deutschlandweit, einen neuen Wagen zu präsentieren? In der Drittelpause. Auf dem Eis. Das hätte doch Stil!

Hier geht`s zum Liveticker.

Bevor ich auf die beiden Spiele direkt eingehe, stelle ich auch hier noch einmal die Tabelle von gestern rein, aus der Vorschau zu den beiden anderen Serien, die die gesamte Hauptrunde berücksichtig, aber nur die Spiele der Teams, die es tatsächlich auch ins Viertelfinale geschafft haben, untereinander.

Gesamt Spiele Punkte Tore Diff.
1 Köln 28 46 72 : 69 3
2 Berlin 28 46 77 : 78 -1
3 Iserlohn 28 45 78 : 79 -1
4 Düsseldorf 28 43 75 : 69 6
5  Wolfsburg 28 41 69 : 61 8
6 Straubing 28 40 68 : 83 -15
7  München 28 39 69 : 69 0
8 Nürnberg 28 36 78 : 78 0

Es sind sozusagen die Partien der Stärksten der Stärksten in dieser Saison. Die Spitzenspiele pur. Die Quintessenz der Hauptrunde. Und wir sehen, alles ist eng zusammen, nur Franken fallen ein bisschen heraus.

Grizzlys Wolfsburg – Düsseldorfer EG

Führt man sich die Saison vor Augen, ist das Überraschendste nicht, wer hier aufeinandertrifft, sondern, wer von beiden Teams Heimrecht hat. Die Grizzlys sind wieder im Viertelfinale dabei, weil sie immer dabei sind. Die Grizzly sind dabei, weil sie seit sieben Jahren eines der konstantesten Teams in der DEL sind. Dieses Kunststück ist in derselben Zeit keiner anderen Mannschaft gelungen. Weder Köln, noch Mannheim, Berlin, Hamburg. Und das lässt sich einfach mit dem Attribut „verdammt gute Arbeit“ kennzeichnen.

Und die DEG ist dabei, weil sie den Weg aus der Gruft erfolgreich beschritten hat. Man hat Geduld bewiesen, ist nach zwei Hungerjahren, die man als Tabellenletzter abschloss, nicht in Panik verfallen – bei ähnlichem Verlauf hätte man in Mannheim wahrscheinlich 24 Mal den Trainer gewechselt – Christof Kreutzer hat Zeit bekommen, die hat er genutzt. Und aktuell ist er „Trainer des Jahres“. Ein, zwei hätte ich noch gewusst, die ihm diesen Rang hätten streitig machen können, aber unverdient ist der Titel keinesfalls.

viertelfinale3

Der Blick auf die Formkurve zeigt bei den beiden Mannschaften einen relativ ähnlichen Saisonverlauf. Etwas holprig startete die Saison, die DEG pendelte sich auf einem relativ hohen Niveau ein, bei den Grizzlys verlief der Aufstieg in zwei deutlich erkennbaren Stufen. Düsseldorf ging am Ende der Hauptrunde ein wenig die Luft aus, in sechs der letzten acht Spiele gab es Niederlagen, sodass die Grizzlys noch auf den letzten Drücker, nämlich am vorletzten Spieltag an Düsseldorf vorbeiziehen konnten, um sich den Heimvorteil für die Serie zu sichern. Zeigte die DEG am Ende Schwächen, haben die Grizzlys drei der letzten vier Hauptrundenspiele gewonnen. Die einzige Niederlage an den letzten vier Spieltagen gab es pikanterweise gegen die DEG. Am Ende war zwischen beiden Teams das Torverhältnis entscheidend.

Wolfsburg gegen Düsseldorf, hat das Traditon, abgesehen von Löchern im Eis. Hat es nicht. In der Saison 2009/10 gab es dieses Aufeinandertreffen schon einmal, Wolfsburg damals als Hauptrundendritter mit dem Heimvorteil, die DEG startete von Platz 6 ins Viertelfinale. Die Grizzlys sweepten die Rheinländer und scheiterten anschließend am AEV im Halbfinale.

Playofferfahrung? Wolfsburg hat bisher 16 Playoffrunden gespielt, die in den besagten letzten sieben Jahren. Neun Runden haben sie bisher gewonnen. Im Viertelfinale standen die Grizzlys sieben Mal, fünf Mal spielten sie sich ins Halbfinale durch. Die Erfolgsquote ist also relativ hoch.

Die DEG hat seit DEL-Gründung 27 Playoffrunden gespielt und 15 gewonnen. In 13 Viertelfinalserien setzte sich sich sieben Mal durch. Von den sieben Serien mit dem ersten Spiel auswärts gewann die DEG zwei, in Krefeld und Hamburg.

Verletzungen? Bei der DEG finden wir acht Spieler mit 50+-Saisonspielen, das ist schon ausgesprochen viel, mit Chris Minard, Corey Mapes, Ken-André Olimb und Edi Lewandowski sowie Kurt Davis haben gleich fünf Spieler alle Saisonspiele absolviert. Das ist ein Wert, den wir sonst nur noch bei Iserlohn wiederfinden. Ohne Rückschläge verlief die Saison jedoch nicht, ohne Rückschläge verläuft nie einen Saison. Jakub Ficenec musste sich verletzungsbedingt verabschieden, Travis Turnbull verließ den Verein mitten in der Saison, Christoph Gawlki bekam langzeitverletzt keinen einzigen Einsatz. Stephan Daschner (38 Einsätze), Daniel Fischbuch (36) fielen oder allen lange aus. Nachverpflichten konnte man David van der Gulik, der aber auch meistens verletzt war und, wichtiger, Drayson Bowman.

Acht Spieler gibt es bei Wolfsburg mit 50+-Spielen, immer am Start war nur Gerritt Fauser neben Jeff Likens. Längerfristige Ausfälle gab bzw. gibt es immer noch für Marco Rosa (29), Tyson Mulock (40), Christoph Höhenleitner (40), Brent Aubin (30), um nur ein paar zu nennen. Besonders der lange Ausfall von Marco Rosa ist für die Grizzlys schmerzhaft, die sich während der Hauptrunde mit Kurtis McLean noch einen Center an Land zogen.

Die Spiele während der Hauptrunde:

1 11.09.2015 Grizzlys Wolfsburg Düsseldorfer EG 2 0
20 22.11.2015 Grizzlys Wolfsburg Düsseldorfer EG 3 0
38 17.01.2016 Grizzlys Wolfsburg Düsseldorfer EG 0 2
50 02.03.2016 Grizzlys Wolfsburg Düsseldorfer EG 3 5

in rot: Gastteams

Wir sehen eine ausgeglichene Bilanz, beide Mannschaften gewannen/verloren je ein Spiel zuhause und auswärts.

Noch ein paar Zahlen:

Wolfsburg war in der Hauptrunde die drittbeste Heimmannschaft, die DEG war das beste Auswärtsteam der DEL. Wolfsburg kassiert zuhause die wenigsten Ggentreffer. Nur Augsburg schoss mehr Gästetore als Düsseldorf. Die Grizzlys hatten mit Abstand die beste Defense, dafür hat die DEG den Goalie des Jahres. Wolfsburg hat das beste Powerplay und schießt neben Köln die wenigsten Shorthander. In Unterzahl lagen die Niedersachsen auf Platz 4. Düsseldorf liegt in Unterzahl eine Rang besser und hatte das fünftbeste Powerplay.

Prognose: Oh, auch schwer, leichte Vorteile für Wolfsburg, 6 Spiele?

Iserlohn Roosters – Thomas Sabo Ice Tigers

Ich hatte zwar die Roosters als Playofftipp, aber dass sie so gut werden würden, hätte ich nicht unbedingt erwartet. Neben Mannheim und Köln waren sie für mich DIE Überraschung des Jahres. Und vielleicht Düsseldorf. Oder Hamburg. Und Straubing. Ja, und auch irgendwie Berlin. Oder der Schlussspurt des KEV? Gehört da auch rein, wird vielleicht jetzt doch ein bisschen viel mit Überraschungen, ach, vergiss es einfach.

Egal, was in dieser Saison noch kommt, für mich werden die Roosters als die Mannschaft in Erinnerung bleiben, die (nie schlechter als 7) immer oben mitspielte, aber nie die Tabellenführung übernahm. Schon klar, wo das hinführen wird. Ins Finale, aber dort gibt es dann einen Niederlage. Das Hoch im Sauerland war eines der prägenden Elemente dieser Saison.  14 Spiele in Folge ausverkauft, praktisch die komplette zweite Saisonhälfte, wann hat man das in der DEL das letzte Mal gesehen?

Und auf der anderen Seite stehen die Ice Tigers. Gefühlt für mich irgendwie das schwächste Team der acht Kandidaten, was ich jetzt nicht ausschließlich mit der obigen Tabelle begründen kann. Es ist tatsächlich nur so ein Gefühl, schwer zu beschreiben. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die Franken im Vergleich zu anderen Teams einfach unauffälliger blieben. Aber wie unauffällig ist man denn, wenn man mit Patrick Reimer den Angreifer UND den Spieler des Jahres in den eigenen Reihen hat? Das scheint mir ziemlich widersprüchlich, aber mach was.

Das Duell zwischen Iserlohn und Nürnberg ist eines der mit Traditionsduellen ohnehin nicht überfrachteten Postseason geschichtsarmes Aufeinandertreffen. Geschichtslos trifft es vielleicht noch besser, schließlich gab es das noch nie. Geschichtslos, was die Playoffs betrifft, an das torreichste DEL-Spiel aller Zeiten, am 9.9.2007, als die Franken 10:9 gewannen, kann ich mich noch ziemlich detailreich erinnern. Wie mir der Ticker abgestürzt ist, gleichzeitig fielen drei Tore. Norm Maracle, Michi Wolf, Ahren Spylo. Crazy shit. Und nur ein einziger Akteur steht heute auf dem Eis, der damals schon dabei war. Kommst du nie drauf: Daniel Piechaczek. What a coincidence!

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Der Blick auf die Formkurven scheint einen gewaltigen Unterschied anzudeuten, obwohl doch nur zwei Plätze zwischen beiden Teams liegen. Das hängt aber damit zusammen, dass bei dieser Kurve Spiele, die nicht in regulärer Spielzeit endeten, wo einen Mannschaft nur einen oder zwei Zähler holte, etwas überbewertet werden. Mit anderen Worten hat Iserlohn die beste Formkurve in der DEL, weil man die wenigsten Niederlagen in regulärer Spielzeit kassiert hat. Imponiert aber denoch. Wir sehen eine solide Saison bei den Franken, immer über dem Strich. Und eine sehr positive Entwicklung der Roosters mit einem kleinen Einbruch im dritten Viertel der Saison, von dem man sich aber wieder erholen konnte.

Erst zum fünften Mal sind die Roosters in den Playoffs dabei, nach 2007/08 und 2011/12 gelang der Einzug auch in den letzten beiden Jahren. Da kam das Aus jeweils in der ersten Runde, gegen Hamburg und Ingolstadt. Beides waren Serien, die auswärts starteten. Heimrecht haben die Roostres zum allerersten Mal.  Bisher haben die Roosters fünf Playoffrunden gespielt, immer scheiterten sie im Viertefinale, vorletzte Saison erreichten sie das Viertelfinale über den Umweg München.

Nie standen die Chancen für die Ice Tigers auf den Titel so gut wie in dieser Saison: Mannheim ist RAUS! 22 Playoffrunden hat Nürnberg seit Ligagründung gespielt. Gewonnen haben sie gerade einmal fünf. Wenn sie im ersten Spiel auswärts antreten mussten, das war neun Mal der Fall, gewannen sie nur einmal, weil die Adler gerade keine Zeit hatten. Gegen die war dann erst im Finale Schluss. Eine Viertelfinalserie mit Start auswärts haben die Franken noch nie gewonnen (vier Versuch, einmal Hannover, dreimal Mannheim).

Verletzungen: Wie oben schon erwähnt, hatte Iserlohn acht Spieler mit 50+Hauptrundenspielen (Goalies berücksichtige ich bei diesen Zahlen nicht.)  Immer dabei waren Jason Jaspers, Brooks Macek, Boris Blank, Ryan Button und der alte Mann, der wirklich mit seinem Körper umzugehen weiß, Mike York. Bitter ist der Dauerausfall von Dylan Wruck, den die Mannschaft allerdings überrachend gut wegstecken konnte. Ansonsten blieb das Teams von schwerwiegenden Verletzungen weitgehend verschont (Chris Connolly mit 40 Partien ist da fast eine Ausnahme). Nachverpflichtungen waren Brodie Dupont und Zach Hamill.

Das sah bei Nürnberg etwas anders aus, wo Jochen Reimer den größten Teil der Saison ausfiel, nach der Verletzung von Andreas Jenike war man bei den Franken sogar gezwungen, auf dem Transfermarkt tätig zu werden und holte Tyler Beskorowany. Alle Saisonspiele haben Alex Oblinger und Patrick Reimer absolviert. Vier weitere Spiele lagen bei 50+-Saisonspielen. Länger nicht dabei waren Marco Nowak (42), Colin Fraser verließ den Club vorzeitig.

Die Spiele während der Hauptrunde:

11 16.10.2015 Iserlohn Roosters Nürnberg Ice Tigers 2 3 np
14 25.10.2015 Iserlohn Roosters Nürnberg Ice Tigers 3 4 nv
29 22.12.2015 Iserlohn Roosters Nürnberg Ice Tigers 3 9
47 23.02.2016 Iserlohn Roosters Nürnberg Ice Tigers 4 2

in rot: Auswärtsteams

Leichte Vorteile für Nürnberg, die Franken waren erst das zweite Team in dieser Saison, das am Seilersee gewinnen konnte.

Noch ein paar Zahlen:

Iserlohn war die beste Heimmannschaft der Hauptrunde, auswärts haben nur die DEG und München mehr Punkte geholt als Nürnberg. Von allen Teams hat Iserlohn die meisten Heimtore.

Überhaupt Tore: Iserlohn war beim Toreschießen von allen Teams am erfolgreichsten. Übrigens nur ein Tor besser als Nürnberg. Das könnten aber mal ein paar ganz abgefahrene Ergebnisse werden. Von den Teams, die im Viertelfinale stehen, hat nur Straubing mehr Gegentreffer als Nürnberg kassiert.

Die Specialteams sind wirklich special: Iserlohn in Überzahl auf Platz 2, Nürnberg auf 3. Nürnberg ist etwas anfälliger für Shorthander. Auch in Unterzahl lagen beide Teams nah beieinander. Iserlohn auf Platz 5, Nürnberg auf 6, der Unterschied war minimal.

Prognose: Iserlohn in 7

Das Heinerle hat gesagt, beide Spiele enden 3:5. Nach den Tipps haben wir uns aber zerstritten. Innen ist echt Holz!

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