Rückblick 4 – Follow-up

In letzten Wochenendrückblick habe ich mich näher mit der Art und Weise beschäftigt, wie bei den Adlern (und den Ice Tigers) die Sturmreihen zusammengestellt werden und im Prinzip mangelnde Konstanz kritisiert. Ich gebe zu, damit habe ich mich selbst neugierig gemacht.

Was nutzt eine solche Betrachtung, wenn man keine Vergleichswerte hat, oder in besagtem Falle nur zum aktuellen Tabellenführer Nürnberg. Also habe ich mir auch mal die übrigen DEL-Teams vorgenommen. Ob es mehr als nur eine Spielerei ist, müsst ihr selber entscheiden.

Vorwegschicken möchte ich, dass ich keinesfalls dagegen bin, im Verlaufe der Saison die Reihen zu variieren. Im Gegenteil. Ich mache es nur ungern, aber möchte ein Beispiel aus dem Fußball heranziehen. Die Bayern sind ein gutes Beispiel. So wie Pep Guardiola bei den Bayern immer wieder Spieler auf unterschiedlichen Positionen einsetzt, macht es seine Mannschaft unberechenbarer und die Akteure auf dem Feld auch schlauer. Vielleicht ist es ein ähnliches Konzept, das dem Verhalten von Greg Ireland und seinem Trainerstab zugrunde liegt. Allerdings mit einem wichtigen Einwand: Guardiola macht das aus einer Position der Stärke. Seine Mannschaft bleibt unberechenbar …

Im Folgenden werden ich aufzählen, in alphabetischer Reihenfolge, also so gesehen ohne das bewerten zu wollen, wie unterschiedliche Sturmformationen die einzelnen Teams bisher eingesetzt haben. Wichtig dabei: Ich gehe von den offiziellen Line-ups aus, in wieweit diese Angaben im Verlaufe der Partien durch eventuelle Feinjustierungen, kurzfristige Ausfälle, weil Akteure sich verletzt haben, Spieldauerstrafen, sich verändern, kann ich natürlich nicht erfassen.

Augsburger Panther

Beim AEV kommen wir nach acht Spieltagen auf bislang neun unterschiedliche Formationen. Im Vergleich zu Mannheim (22) ist das schon verdammt wenig. Gesetzt sind die Reihen Ciernik/Polaczek/Weiß (sieben Partien), Weiß fiel einmal aus und wurde durch MacKay ersetzt. Grygiel/Hanowski/Matsumoto spielten sechsmal zusammen, diese Reihe wurde durch die Rückkehr von T.J. Trevelyan aufgesprengt, Grygiel musste diesem weichen, die Reihe ist dadurch noch gefährlicher geworden. Immer zusammen spielten Iggulden, LeBlanc und Mancari. Viel Konstanz also beim AEV und letzten drei Spieltage zeigen, dass sich die Geduld lohnt. Auch nach dem schwachen Saisonstart hat Mike Stewart den Reihen die Zeit gegeben, sich zu entwickeln.

Eisbären Berlin

Sogar noch weniger Variationen gab es bei den Eisbären, und über deren Saisonstart kann man nun wirklich nicht meckern. Wenn da was an den Reihen verändert wird, hat es ausschließlich mit Verletzungen zu tun. Noebels/Olver/Tallackson: Acht Spiele. Machacek/Mulock/Talbot ebenso. Die Reihe mit Busch/Pohl/Rankel gab es nur zweimal nicht, weil Busch verletzt ausfiel, so lange übernahm Kuji diese Position, der eigentlich sonst in einer Reihe mit Braun/Ziegler spielt. Die Berliner spielten bisher nur mit sechs unterschiedlichen Sturmreihen!

Düsseldorfer EG

Mit elf unterschiedlichen Sturmformationen ist die DEG bisher aufgelaufen. Immer zum Einsatz kam die Reihe mit Dmitriev/Lewandowski und Olimb. Gesetzt sind die Pärchen Collins/Kreutzer und Strodel/Turnbull. Nur der dritte im Bunde wird variiert, das ist nämlich entweder Milley oder Minard. Außerdem haben wir noch das Duo Brandt/Kammerer, das in unterschiedlichen Partien entweder mit Mondt, Niederberger oder Preibisch zusammenspielte. Bleibt abzuwarten, was sich daran ändert, wenn alle Spieler fit sind.

EHC Red Bull München

Elf Varianten finden wir bei den Münchnern. Dabei wird in der Topreihe ein wenig variiert. Wolf und Jaffray spielten immer in einer Formation, an ihrer Seite spielte zu Beginn der Saison Christensen, in den letzten drei Partien war es Aucoin, der die Saison mit Pinizzotto und Sparre begann. Fest sind Eder/Herpich/Ramoser, Bis zum Ausfall von Mauer spielten auch Kahun, Maurer und er immer zum zusammen. Durch den späten Saisoneinstieg von Samson spielte Sparre zuletzt in einer neugefundenen Formation mit Samson und Kastner. Es wird variiert bei den Bayern, aber vorsichtig.

Hamburg Freezers

Mit Vorsicht zu genießen sind die Angriffsformationen der Freezers, Wolf war zu Saisonbeginn noch gesperrt, war klar, dass da was passieren würde, Jakobsen fiel zwischenzeitlich aus, Festerling ist verletzt. So eine Formation wie Wolf, Flaake, Festerling stand noch gar nicht zur Verfügung. Eine feste Größe bei den Freezers sind Dupuis/Müller/ Oppenheimer (5), da wurde zwischenzeitlich Müller mal durch Krämmer ersetzt. Meist spielen Flaake und Jakobsen zusammen, beim dritten im Bunde scheint man sich in Hamburg aber noch unsicher zu sein. Bei den Freezers befindet sich einiges noch im Entwicklungsstadium.

ERC Ingolstadt

Ein bisschen mehr ist beim ERC los, wo die Variationen weniger als beispielsweise in Hamburg mit Verletzungen zu tun haben können. 16 unterschiedliche Sturmformationen, das ist noch nicht Adler-Format, aber macht auch deutlich, dass Emanuel Viveiros sich noch auf der Suche befindet. Ingolstadt begann mit der Sturmreihe Irmen/Lebler/Ross (4), inzwischen wurde Lebler durch Elsner ersetzt. Der wechselte in eine Reihe mit Laliberte und Kubalik. Im Unterschied zu Mannheim hatte die Reihe Zeit, und wurde dann als für zu leicht befunden. Im Schnitt spielte jede Reihe bisher zweimal zusammen, was mir ein wenig wenig vorkommt. Naja, der ERC hat ja auch ganz schön Probleme.

Iserlohn Roosters

Wieder deutlich weniger variiert wird bei den Roosters. Einschränkend kommt in diesem Falle hinzu, genau wie Köln hat Iserlohn aber auch ein Spiel weniger ausgetragen. Bei den Roosters gibt es ein paar Stammformationen wie Petersen/Wruck/York (6), zuletzt wurde hier Wruck durch Friedrich ersetzt. Caporussa, Jaspers und Macek (6). Fest waren auch Bassen, Blank und Connolly bis auf die Zeit, in der Bassen verletzungsbedingt nicht dabei war. Die Roosters variieren, aber eher in den „hinteren“ Reihen. Bisher gab es 10 unterschiedliche Sturmformationen.

Kölner Haie

Mit den Haien haben wir wiederum ein Team, dass mit festen Sturmformationen die bisherige Saison gestaltet. Kleinere Variationen sind immer drin, nur drei Reihenzusammenstellungen gab es ein einziges Mal, eigentlich nur zwei, wenn man einen kurzfristigen Ausfall von Falk mit einkalkuliert. Boucher/Latta/ Stephens sind gesetzt (7 Spiele), Falk, Salmonsson und Uvira kommen auf vier Spiele, zweimal ersetzte Weiß Uvira. Gogulla, Hager und Weiß (4)stehen ziemlich zuverlässig zusammen auf dem Eis, es sei denn Weiß und Uvira tauschen die Reihen. Sechsmal gab es Jones/Umicevic und Åslund. Auch in der Reihe durfte sich Weiß (für Jones) schon versuchen. Offensichtlich sucht Sundblad noch den richtigen Platz für Weiß?

Krefeld Pinguine

Nicht ganz einfach ist die Situation für den KEV, wo man mit der Topbesetzung praktisch noch kaum spielen konnte. Pietta und Sofron fielen lange aus, da wird in den nächsten Wochen noch ein wenig Feinschliff Not tun. Immer zusammen spielten Driendl, Hauner und Vailjevs (8), Hagos, Kretschmann und Schymainski gab es sechs Mal. Durch die Rückkehr von Pietta muss nun für Hagos ein neuer Platz gefunden werden. Neben Collins und Eriksson wird noch ein Nebenmann gesucht, aber die Grundstruktur lässt sich schon erkennen. Sieben mal konnte der KEV nicht mit einer kompletten vierten Sturmreihe auflaufen, so dass diese Statistik ein wenig verzerrt ist. 14 unterschiedliche Varianten hat der KEV aufzuweisen alleine schon wegen des Personalmangels.

Schwenninger Wild Wings

DIE feste Formation bei den Wild Wings stellten Fleury/Hult und Kurth (6), durch die Nachverpflichtung von Acton muss Kurth weichen und sich neue Sturmpartner suchen. Drei Sturmformationen gab es nur ein einziges Mal, erkennbar ist die Suche von Helmut de Raaf nach Strukturen im Team, Stastny und Rome spielen immer zusammen, nur über den dritten Mann herrscht noch Unklarheit. Insgesamt gab es bei den Wild Wings 14 Sturmvarianten.

Grizzlys Wolfsburg

Viel Konstanz lässt sich bei den Grizzlies erkennen, eventuelle Variationen lassen sich gerne auf disziplinarische Maßnahmen oder Verletzungen zurückführen. Fauser/Höhenleitner und Mayer sind eine feste Größe (7), ebenso wie Furchner/Haskins und Widing (8). Rosa, der eine Zeitlang auf der Tribüne saß, hat eine neue Heimat bei Mulock und Wallace gefunden. Dahinter scheint Pavel Gross noch ein wenig herumzuprobieren, wenn er mit Aubin und Pfohl aufbieten soll. Die Grizzlies bisher mit 11 Varianten.

Straubing Tigers

Bei den Tigers muss man die Zusammenstellung immer etwas unter Vorbehalt sehen. Da könnte sich durchaus was ändern, wenn Blaine Down wieder zur Verfügung steht. Der soll ja auch ganz gut knipsen können. Feste Formationen bilden Bayda/Connolly und Höfflin (8) und Hedden/James/Zalewski (6), Schönberger spielte eine Zeitlange in dieser Reihe für James, aber ist inzwischen fest mit Hinterstocker und Röthke zusammen (rein spielerisch ist das gemeint, damit es hier nicht zu Missverständnissen kommt). Eine feste Formation bildeten zuletzt auch Brandl/O’Connor und Wörle (5).

 

Jetzt könnte man abschließend nochmal die Frage stellen, besteht wirklich ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaße der „Unruhe“ in den Sturmzusammensetzungen und dem aktuellen Tabellenstand bzw. der aktuellen Leistungsstärke. Im Prinzip sollte das jeder für sich entscheiden können. Zur Vereinfachung habe ich die folgende Liste erstellt, links das Team, daneben die Anzahl der bisher eingesetzten Sturmreihen, rechts der aktuelle Tabellenstand.

Team                                                                   Anzahl der Sturmreihen                                  Tabellenstand aktuell

Berlin 6 Nürnberg
Köln 9 Berlin
Augsburg 9 Straubing
Iserlohn 10 München
Wolfsburg 11 Köln
Straubing 11 Wolfsburg
München 11 Iserlohn
Düsseldorf 11 Augsburg
Schwenningen 14 Hamburg
Nürnberg 14 Ingolstadt
Krefeld 14 Düsseldorf
Hamburg 15 Mannheim
Ingolstadt 16 Krefeld
Mannheim 22 Schwenningen

Mein Fazit lautet jedenfalls: Ja, es besteht ein Zusammenhang. Zumindest zu Saisonbeginn ist es tatsächlich ein Vorteil, wenn man mit eingespielten Reihen aufläuft, bzw. den Reihen die Möglichkeit gibt, sich zu entwickeln. Wenn die Mannschaft nicht stark genug ist, nutzt aber auch die ganze Herumprobiererei nichts (mein erster Eindruck bei Schwenningen). Wenn Leistungsträger verletzt sind, verzerrt das die Ergebnisse, aber wie schon gesagt, bei den Adlern kann ich das nur sehr bedingt als Entschuldigung gelten lassen.

Eine andere Frage bleibt, ob es nicht im weiteren Verlauf der Saison nützlich sein könnte, mehr Reihenvariationen zur Verfügung stehen zu haben? Absolut! Aber dann muss man zunächst auch über eine Basis verfügen. Sagen wir mal so: Berlin und Köln (natürlich auch noch andere Teams) haben diese Basis, könnten jetzt wild herumprobieren und jederzeit zum dem Zurückkehren, was funktioniert. Das meine ich eben mit „aus einer Position der Stärke“.

So, jetzt bin ich gespannt auf Einwände bzw. Argumente für und dagegen. Anybody? Ist es wirklich nur eine Spielerei?

P.S. Im Augenblick gar nicht drin in der Verlosung sind folgende Spieler:

Ingolstadt Brandon Buck
Köln Marcel Ohmann
Jason Williams
Mannheim Martin Buchwieser
Marcel Goc
Marcus Kink
Straubing Blaine Down
Berlin Mark Bell
München Yannic Seidenberg
Wolfsburg Mark Voakes
Düsseldorf Alexander Preibisch
Christoph Gawlik
Hamburg Garrett Festerling

Da dürfte sich also noch Einiges tun.

 

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8 Gedanken zu “Rückblick 4 – Follow-up

  1. „Zur Vereinfachung habe ich die folgende Liste erstellt, links das Team, daneben die Anzahl der bisher eingesetzten Sturmreihen, rechts der aktuelle Tabellenstand.“

    Versteh ich nicht, z.B. ERC, 16 eingesetzte Sturmreihen, aktueller Tabellenstand Krefeld ?? 😉

    1. ich hatte beim ersten Anschauen auch so meine Mühe.

      Aber das liegt daran, dass wir die Tabelle aktuell eher nicht so oft angeschaut haben bzw. anschauen wollten (die Nürnberger / die Straubinger auf den vorderen Plätzen und wir kurz vor dem Schlusslicht 🙂 )

  2. Ja, stimme dir zu. Es gibt scheinbar einen Zusammenhang.

    Es stellt sich für mich dann allerdings die Frage nach dem tieferen Sinn von Vorbereitungsspielen / Testspielen. Zumindest aus Sicht des ERC, welche ja die meisten Vorbereitungsspiele absolviert haben.

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