Panther – die Überflieger (wieso können Panther fliegen???)

Spiel 4 steht an, die Adler müssen nach Ingolstadt, um die Serie wieder auszugleichen. Drei Tage hatten sie Zeit, sich von der beeindruckenden Vorstellung der Panther am Dienstag zu erholen. Ob das gereicht hat? Aus Adler-Sicht muss man klar sagen: So kann es nicht weitergehen.

Hier gehts zum Liveticker.

Geoff Ward sagte nach den ersten beiden Partien so in etwa sinngemäß, die Adler hätten bisher etwas über ein Drittel Adler-Hockey gespielt. Viel höher wird der Wert nach Spiel 3 in Mannheim nicht gestiegen sein. Mannheim kam zwar gut in die Partie, aber heraus ziemlich gerupft.

Schauen wir uns zunächst die Panther an? Irgendwas zu kritisieren. Da muss schon die Lupe her. Oder das Mikroskop. Spiel 1 knapp verloren, knappe Niederlagen haben Verlängerungen so an sich, mit etwas Glück hätte es da schon für die Adler schiefgehen können. Die nächsten beiden Spiele wurden zu klaren Angelegenheiten. Aber warum?

Ich bin geneigt, den Panthern daran einen größeren Anteil zuzusprechen als den Adlern. Und zwar in dem Sinne, dass Mannheim wirklich bemüht ist, hey, das ist eine Finalserie, das schenkt man kein Spiel weg. Bemüht, und die Mühe sieht man dem Hauptrundensieger in jeder Phase an. Ingolstadt spielt mit einer Abgeklärtheit und Intelligenz, die man sich in den beiden vorigen Runden schwer erarbeitet hat.

 

Aus Mannheimer Sicht muss man sich fast fragen, ob die Adler in Viertel- und Halbfinale überhaupt richtig gefordert waren, so scheinbar mühelos, wie sie da durchfegten. Vielleicht verleiht das einer Mannschaft auch zu viel Sicherheit? Eines dürfte den Kurpfälzern mittlerweile klargeworden sein: Der Titel wird ihnen nicht in den Schoß fallen, weil die Panther in Ehrfurcht erstarrt angesichts der Hauptrunde sich nicht auf’s Eis trauen.

Mannheim war es aus der Hauptrunde gewohnt, die Spiele, nicht alle, aber doch zum überwiegenden Teil, zu diktieren. Mit Physis und Technik war man jedem Gegner gewachsen. Da werden solche Kleinigkeiten wie die Anfälligkeit bei schnellen Gegenstößen gerne übertüncht. Vom ERC wird das bisher gnadenlos aufgedeckt. Vom eigenen Schwung nach vorne getragen, vergisst Mannheim mitunter eine geordnete Defense. Absolut tödlich.

Wie machen die Panther das? Ihr Schwerpunkt liegt auf der Defensive, blitzschnellem Umschaltspiel und punktuellem Forechecking. Defensiv erinnert das stark an die letzte Saison. Ein großer Teil der Schüsse wird geblockt, kommt also erst gar nicht zu Timo Pielmeier durch. Bei Scheibengewinn geht es schnell, geordnet und einfach in die Gegenrichtung. Bei den Adlern sehen wir immer wieder mal einen Pass zu viel, was verdammt gut aussieht, wenn es klappt, aber häufig ist die Folge Tempoverlust. Und wenn der ERC in der Defense erstmal die Formation gefunden hat, gibt es für die Mannheimer kaum ein Durchkommen. Eine typische Szene für mich ist da ein immer wiederkehrender Spielzug der Adler im Powerplay. Metropolit steht fast an der Grundlinie und sucht das Zuspiel auf Plachta am rechten Pfosten. Wie oft war beim Pass durch den Slot noch ein Schläger dazwischen? Andere Optionen bei Mannheimer Überzahl sind Abschlüsse von Mauer oder Foster: Der Großteil wird geblockt.

Das Powerplay, ja das Powerplay der Adler? Das ist fast schon wieder auf Hauptrundenniveau angekommen. Prozentweise. Mannheim ist in der Serie gegen Ingolstadt immer noch ohne Überzahltreffer. Das sieht beim ERC aber ganz anders aus. Die Panther sind auf den Punkt fit, perfekt auf den Gegner eingestellt und verhindern ziemlich beeindruckend, dass Mannheim zu seinem Spiel findet. Andeutungsweise mag man schon mal das Gefühl haben, „jetzt kommen die Adler aber“. Doch im Großen und Ganzen habe ich schon das Gefühl, dass die Adler etwas ratlos sind. Mit dem kompakten Defensivverhalten Ingolstadts kommen sie überhaupt nicht zurecht, im Gegenteil, es verleitet zu Leichtsinn. Sprich: Mannheim wird zu offen.

Typische Angriffe dieser Serie sehen vor meinem inneren Auge sehr unterschiedlich aus: Mannheim setzt sich fest und lässt die Scheibe laufen. Dabei kann man die Scheibe zwar im gegnerischen Drittel halten, aber gute Schusspositionen springen dabei kaum heraus.

Der ERC dagegen schaltet bei Scheibengewinn im Verteidigungsdrittel blitzschnell um, verzichtet auf ambitioniertes Passspiel, fährt seine Breaks ziemlich unterkühlt und erfolgreich runter. Oder man schaltet plötzlich auf Forechecking um, ein Stürmer weit vorne, der andere etwas zurückgezogen lauernd. Hager holt sich in der Regel die Scheibe und es wird brandgefährlich.

Bei Ingolstadt funktioniert in meinen Augen auch das Zusammenspiel zwischen Goalie und Defense besser. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es die Adler am Freitag mal von Anfang an mit Youri Ziffzer versuchen (Machen sie aber wahrscheinlich eher nicht). Nach dem Motto, einfach mal was verändern, damit deutlich wird, dass sich was ändern muss. In der aktuellen Serie finde ich, als zusätzliches Argument, Pielmeier besser.

Die Adler wirken ideen- und planlos gegen ein prächtig eingestelltes Team des amtierenden Meisters. Dabei gelingt es dem ERC, auf jede neue Frage der Adler die passende Antwort zu finden. Und nehmen wir die drei Spiele für sich: Der ERC wird in jeder Partie besser, stellt sich besser auf den Gegner ein. Das war schon so in den Serien gegen Iserlohn und Düsseldorf. Man könnte es Lernfähigkeit nennen. Oder verdammt gutes Coaching.

Und wer liefert? Auf die Spitze getrieben, würde ich so sagen: Zumindest in dieser Phase haben die Panther die besseren Ausländer. Brooks, Buck, Taticek nenne ich mal an erster Stelle. Die haben jedenfalls einen größeren Impact als Metropolit, Joudrey, Rheault, um ein paar Namen zu nennen. Nicht, dass das nicht noch kommen könnte …

Ich wünsche mir im Prinzip eine lange Serie. Ja, das ist jetzt hart für Panther-Fans, denn das heißt auch, dass der ERC auch nochmal verlieren muss. Genau noch zweimal, was in Spiel 7 passiert, ist mir schnurzpiep. Geoff Ward hat gesagt: „Wir werden die freien Tage nutzen“, das hat mich schon mal einigermaßen beruhigt. Aber um die Serie zu verlängern, habe ich mir speziell für die Adler ein paar Sachen überlegt:

Jungs, über die Taktik müsst ihr echt mal nachdenken. Absicherung ist nicht an sich böse. Schaut euch noch mal die Videos von Spiel 2 und 3 an, könnt ihr lernen, wie man nach hinten arbeitet. Von den anderen. Wenn Ingolstadt forecheckt, schneller reagieren. Vor allem: Für Unterstützung sorgen. Ingolstadt baut zum Beispiel sehr kontrolliert auf, die Aussichten auf Scheibengewinn bei Vorwärtsbewegung Ingolstadt sind im Vergleich zu den Spielen gegen Nürnberg und Wolfsburg verhältnismäßig gering. Man sollte sein Spielkonzept nicht unbedingt danach ausrichten. In der Defense müsst ihr körperlicher werden, wie man Tempovorstöße fährt, lernt ihr am besten vom Gegner. Schüsse blocken tut weh, man wird damit aber auch Meister (den Gegner fragen). An erster Stelle muss Geduld stehen, lieber eine Tick defensiver als am Montag im Reisebüro. Ihr müsste euch ein bisschen mehr um das Spiel eures Gegners kümmern, die drücken euch nämlich aus der Defensive heraus ihr Spiel auf.

Schauen wir uns mal ein paar Treffer des ERC beim 1:6 genauer an:

Ganz einfach herausgespielt ist das 1:2. Gawlik spielt über die Bande raus aus der Verteidigungszone, schickt Hager ins Laufduell gegen Foster, was der Ingolstädter locker gewinnt. Ablage auf Brooks, Tor.

1:3: Wieder kommt der ERC über die rechte Seite. Picard von der Grundlinie über die Bande auf Greilinger, der schickt Buck. Der überläuft Wagner recht einfach und hat nur zwei Optionen: Kurz auf Buck, der von Akdag aus dem Spiel genommen wird. Etwas länger auf Brocklehurst, dem Tardif zu spät folgt. Wieder der direkte Schuss, wieder das Tor.

1:4: Wieder ist Hager involviert, der beim Forecheck Kink die Scheibe abjagt und hinter dem Tor Ross übergibt. Das ist soweit noch überhaupt kein Problem, wenn die Adler einigermaßen geordnet stünden. Denn sie haben Überzahl, zwei Angreifer gegen vier verteidigende Spieler. Aber zwei Mannheimer sind hinter dem Tor, zwei rechts und links an der Bande!

1:5: Das gewohnte Bild mittlerweile: Ingolstadt baut von hinten auf, diesmal über die linke Seite. Wieder geht es über die Bande aus dem Verteidigungsdrittel, Laliberte schickt Hahn an der Bande entlang und startet Richtung Slot, wo er den zugeben ausgesprochen schönen Pass von Hahn nur noch über die Linie drücken muss. Wie beim 1:2, 1:3 dauerte es auch hier von Aufbaupass bis Tor weniger als fünf Sekunden. Und wieder hatten die Adler eigentlich eine Überzahl in der Verteidigungszone. Nur aber eben wieder an den falschen Orten.

Was fällt auf: Es sind die Breaks, die die Adler verwunden. Positiv sehe ich bei den Adlern eher die deutschen Verteidiger, sprich Goc, Akdag und Reul. Wagner oder Foster sind mir in einigen Situationen zu langsam. Das bearbeitet der ERC gezielt. Die Spielweise des ERC ist ausgesprochen kräftezehrend, was den Panthern, wenn die Serie lange dauert, eventuell noch Probleme bereiten könnte. Verlassen würde ich mich als Mannheimer darauf aber nicht. Vor allem auch nicht darauf, dass die Serie über die volle Distanz geht. SO nicht.

Dazu ist Ingolstadt zu gut. Mag sein, dass Pielmeier auch mal einen schlechten Tag erwischt. Gegen Schwenningen oder so. Auch darauf würde ich meine Taktik nicht aufbauen. Zum Schluss? Hut ab, Panther, gut ab. Viel besser kann man das bisher kaum spielen.

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16 Gedanken zu “Panther – die Überflieger (wieso können Panther fliegen???)

  1. Wow, was für eine Serie!!!

    …vielleicht sollte Olaf mal über ’ne Trainerlizenz (als 2. Standbein) nachdenken,
    scheint direkt so, als hätten sich die Adler in der Zwischenzeit Deine Analyse (- aber – hallo!) 1:1 zur Brust genommen und siehe da: der Erfolg kommt wieder zurück…

    Daran sieht man mal wieder, welchen impact gutes coaching haben kann.

    Puhä, das war aus Adlersicht aber auch mal wirklich fällig, und was für eine gelungene Antwort!
    Muß da aber Kamui und 1964 (jaja, der goldene Jahrgang) beipflichten – keinen Moment zu früh – ein 1:3 Rückstand in der Serie gegen diese Panther, wäre vermutlich aller (jetzt wieder) gezeigten Comeback-Qualitäten zum Trotz der sicher gebuchte Urlaub gewesen.
    Dafür ist das Heimrecht jetzt wieder im Hamsterbau und die Serie geht wieder bei null los.
    I luv PO. Einfach nur der Hammer.

  2. Allgemein muss man sagen, dass Endras heute „besser“ als Pielmeier ist. Der Timo spielt heute mal „nur“ „normal“ gut.

  3. Sieht heute auf jeden Fall besser aus als in den ersten Partien. Aber der Schuss von Mauer hätte ruhig noch passen können, weil wegen die Sicherheit und so…

  4. „außerdem, welche tipps hätte ich den panthern den geben sollen. dann hätts ja adler am spieß gegeben“

    da bekommt der Begriff „Stockente“ doch ein völlig neues Gesicht 😛
    (sorry Kamui, noch dürfen wir das)

  5. Toller Artikel! Danke Olaf, hast wohl schon ein bisschen den Saisonabschluss in den Fingern 😉

    Obwohl, so ne Favoritenrolle schmeckt mir gar nicht. Sollen sich die Adler doch nur weiter in Sicherheit wiegen, dass sie „nur mal richtig zu spielen anfangen müssen“ und die Serie dreht sich von selbst.

  6. “ außerdem, welche tipps hätte ich den panthern den geben sollen. dann hätts ja adler am spiel gegebwen “

    Stimmt auch wieder 🙂

  7. Mensch, mit sowas hab ich ja gar nicht gerechnet, da hatte Olaf aber ne Menge Zeit (und ganz ohne buten Farbenspiele)

    Klar ist, dass die Adler bisher deutlich, überraschend deutlich und klar unterlegen sind. Im Moment sieht das so aus als ob eine Mannschaft genau weiß, was sie machen muss um die Finals zu gewinnen und die andere denkt sich: Jo, irgendwie wuppen wir das schon. (Dürft jetzt raten, wer welches Team ist^^)

    Allerdings steht es „nur“ 1:2 und die Adler abschreiben sollten man wohl als Letztes tun. Vllt. drehen wir ab jetzt einfach keine Spiele mehr sondern direkt ganze Serien.

    Das Spiel heute hat auf jeden Fall schon vorentscheidenden Charakter. Meiner Meinung nach MUSS Mannheim gewinnen, denn ein 1:3 noch drehen gegen DIESE Panther? Never.

  8. Sehr schöne Zusammenfassung, wie immer, Olaf 🙂
    Ein bisschen zu viele Tipps für die Adler, und nein, ich wünsche mir keine 7 Spiele, die Adler hams verdient, ab SO ihren Urlaub zu geniessen 😉
    Nur der ERC !!

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