Im Anfang war das 0:0 – Mannheim – Wolfsburg – Halbfinal-Vorschau

Vier ausgesprochen interessante Viertelfinalserien haben wir hinter uns, wirklich spannend waren am Ende nur zwei davon. Und die gingen den ganzen Weg. Langsam wurde es Zeit für was Neues – und an dieser Stelle ist die DEL unheimlich praktisch eingerichtet. Es folgen nämlich die Halbfinals.

Machen wir einen lockeren Einstieg in die Vorschau zu den Vorschlussrunden und fangen wir mit ein paar Zahlen an sowie einem Blick auf die Vergangenheit: Kennerinnen und Kenner wissen jetzt schon: Ah, da folgt Statistik.

Das gibt mir die Gelegenheit, wieder ein paar Tabellen mit in die Vorschau aufzunehmen, einerseits zur besseren Nachvollziehbarkeit. Andererseits, wer die Muse hat, die Zahlen zu überprüfen, kann mich vielleicht auf Fehler hinweisen. Übertragungsfehler kommen nämlich immer wieder vor.

In 20 Jahren DEL gab es sieben Sweeps im Viertelfinale (Modus Best-of-Seven).

1 94/95 H Preussen G Schwenningen V 4 0
2 94/95 H Landshut G Kassel V 4 0
1 03/04 H Berlin G Düsseldorf V 4 0
5 05/06 G Köln G Nürnberg V 4 0
1 08/09 H Berlin G Hamburg V 4 0
1 11/12 H Berlin G Köln V 4 0
6 11/12 G Straubing G Wolfsburg V 4 0

Ich sollte vielleicht noch erklären, wie diese Tabelle zu lesen ist, da sich das nicht auf den ersten Blick erschließt (Vielleicht noch Spalte 2). In Spalte 1 wird angegeben, auf welchem Platz die Mannschaft, die anschließend sweepte, die Hauptrunde auf Platz 1 abschloss. Und wir sehen, am häufigsten gelang dem Hauptrundensieger ein Sweep, die Grizzlies waren das erste Team von Platz 7, das einen Sweep schaffte.

Die dritte Spalte kann man wahrscheinlich erschließen: H bedeutet Heimvorteil, G bedeutet, die Mannschaft musste im ersten Spiel auswärts spielen. In Spalte 5 steht G hinter dem Gewinner der Serie, in Spalte 7 V hinter dem Verlierer.

Wir sehen da auch: In der Regel waren es die Mannschaften mit Heimvorteil, die zu Sweeps kamen. Wenn Gastteams einen Sweep schafften, flogen sie IMMER im Halbfinale `raus. Das sah auch nicht viel anders aus, als die Viertelfinalserien im Best-of-Five-Modus liefen. 15 Sweeps in 36 Serien, Auswärtsteams gelangen davon nur drei. Und zwei davon erwischte es in der nächsten Runde.

Fazit: Man mag Argumente heranziehen wie man will. Kräfte gespart und so weiter. Aber Mannschaften, die zuerste auswärts ranmussten und denen im Viertelfinale sweepten, haben keine guten Karten im Halbfinale.

Für alle die, die jetzt denken, okay, können wir uns die Serie Mannheim – Wolfsburg sparen, der Ausgang ist ja eh klar, und zur Ermunterung für die Grizzlies böte sich jetzt  die folgende Statistik an.

6 94/95 G Köln G Mannheim V 4 1
4 94/95 H Krefeld G Düsseldorf V 4 1
1 02/03 H Berlin G Hamburg V 4 1
6 02/03 G Krefeld G Düsseldorf V 4 1
4 02/03 H Mannheim G Nürnberg V 4 1
2 04/05 H Berlin G Augsburg V 4 1
1 05/06 H Berlin G Krefeld V 4 1
1 06/07 H Mannheim G Frankfurt V 4 1
2 06/07 H Düsseldorf G Hamburg V 4 1
9 07/08 G Düsseldorf G Nürnberg V 4 1
2 07/08 H Berlin G Hamburg V 4 1
3 07/08 H Köln G Mannheim V 4 1
4 08/09 H Mannheim G Nürnberg V 4 1
2 11/12 H Ingolstadt G Düsseldorf V 4 1
4 11/12 H Mannheim G Hamburg V 4 1
2 12/13 H Köln G Straubing V 4 1
9 13/14 G Ingolstadt G Krefeld V 4 1
5 13/14 G Köln G Mannheim V 4 1

Wie die zu lesen ist, muss ich jetzt nicht erneut erklären. Entscheidend sind eher die Ergebnisse:

Es gab bei Best-of-Seven von 44 Serien 18 die 4:1 endeten. Der Hauptrundensieger flog in zwei von drei Fällen im Halbfinale ‚raus. Im Falle der Adler gibt es zwei unterschiedliche Wege: Spielten sie Viertelfinale gegen Nicht-Nürnberg, wurden sie Meister. Spielten sie im Viertelfinale gegen Nürnberg, flogen sie im Halbfinale ‚raus.

Jetzt müssen wir die Adler wieder ein bisschen aufbauen, klar. Denn eine andere Statistik spricht wiederum für die Kurpfälzer. 20 Jahre DEL sind zwanzig Hauptrundensieger. Dass der Hauptrundensieger anschließend auch Meister wurde, kam nur sechs Mal vor. Die beste Quote haben dabei die Adler, die den Hauptrundenerfolg in drei  von vier Fällen auch mit dem Titel vergolden konnten. Im Unterschied dazu bietet sich Berlin an: Sieben Hauptrundensiege holte sich der Rekordmeister, zum Titel reichte es nur in drei Fällen. Bei allen anderen Teams ist die Quote noch schlechter. Klar, sie liegt nämlich bei Null. Mit anderen Worten: Nur Mannheim und Berlin wurde jeweils überhaupt Meister, wenn sie vorher Hauptrundensieger waren.

Und wie hilft uns das jetzt weiter in den laufenden Playoffs? Naja, kommt ganz darauf an, ob man die Argumentation bei der Vorschau zu den siebten Spielen der Viertelfinals für schlüssig hielt. Andernfalls ist es reine Zahlenspielerei. Mir hilft es insofern weiter, dass ich weiß, diese Unmengen an Daten nicht umsonst gesammelt zu haben. Ich will sie auch mal loswerden.

Adler Mannheim – Grizzly Adams Wolfsburg

Wird Zeit, dass ich nun ein bisschen konkreter werden. Und mich auf das anstehende Duell zwischen Mannheim und Wolfsburg beziehe. Ein Schlenker muss natürlich noch her. Das Playoffformat wurde, damals noch zu Bundesligazeiten, in der Saison 80/81 eingeführt. Viele Duelle wiederholten sich immer wieder, haben eine große Tradition. In der laufenden Spielzeit hat das echten Seltenheitswert. Eisbären – Ice Tigers (0 Mal), Wolfsburg – Krefeld (1), München – Wolfsburg (0), Ingolstadt – Iserlohn (0), Hamburg – Düsseldorf (2). Die Serie zwischen Adlern und Ice Tigers war da eine echte Ausnahme (7). Und so gesehen liegt für das Aufeinandertreffen der Adler mit den Grizzly Adams wieder der Normalfall vor.

In der Spielzeit 12/13 trafen beide Teams im Viertelfinale aufeinander. Die Adler unterlagen mit 2:4 (2:3 n.V., 3:2 n.V., 0:1, 0:3, 3:2 n.V., 3:4). Auch damals hatten die Adler Heimvorteil. Liegt SO lange noch gar nicht zurück.

Es gab also für beide Teams erst ein Aufeinandertreffen in den Playoffs, dabei ist für beide Mannschaften die Playoffteilnahme eigentlich der Normalfall, im Falle Wolfsburg kommt das vielleicht einen Tick überraschender, nimmt man die Größe des Namens im deutschen Eishockey als Maßstab. Für die Adler ist es die neunte Teilnahme in Folge, für Wolfsburg die siebte. Mannheim steht seit Einführung der Playoffs zum 21. Mal im Halfinale, zum elften Mal in DEL-Zeiten. Häufiger als Mannheim schafften das nur die Haie (22). Nur auf die DEL bezogen, haben die Eisbären noch mehr Halbfinalserien (12) ausgespielt. Wolfsburg steht seit der Saison 09/10 zu fünften Mal im Halbfinale, einmal schafften sie es bis ins Finale, die Adler schafften es in derselben Zeit nur einmal soweit, im Finale kam das Aus gegen die Eisbären (11/12).

Im Nachhinein tut es mir ein wenig leid, dass es die Ice Tigers so schnell gerissen hat, denn schon vor der Serie zwischen Mannheim und Nürnberg war ich der Überzeugung, dass die Franken die einzige Mannschaft stellten, die die Adler in dieser Saison ernsthaft gefährden könnte. An dieser Erwartung hat sich seitdem nicht viel geändert, Mannheim ist und bleibt für mich der Favorit. Vorteil der kurzen Serie gegen Nürnberg war: Die Adler starten genauso ausgeruht in die nächste Runde wie die Grizzly Adams.

Ein Blick auf die Spiele der Hauptrunde (Auswärtsteam eingefärbt):

4 21.09.2014 Adler Mannheim GA Wolfsburg 7 3
21 28.11.2014 Adler Mannheim GA Wolfsburg 3 4 nv
32 28.12.2014 Adler Mannheim GA Wolfsburg 6 5 nv
51 27.02.2015 Adler Mannheim GA Wolfsburg 0 2

Ausgeglichener kann die Bilanz nicht ausfallen. Zwei Heimsiege, zwei Auswärtssiege, und die jeweils erst nach Verlängerung. Die letzte Niederlage der Adler fällt vielleicht ein wenig heraus, denn gegen Ende der Schlussrunde hatte man schon das ein oder andere Mal den Eindruck, die Kurpfälzer würden es etwas lockerer angehen.

Trotzdem, mein Gefühl sagt, die Adler können nur an sich selber scheitern. Drittbester Angriff in der Hauptrunde, beste Defense, die Werte in dieser Hinsicht sind bei Wolfburg eher durchschnittlich. Auf der Goalie-Position sehe ich Mannheim im Vorteil, auch wenn Felix Brückmann gegen die Roten Bullen (Ach, München) starke Auftritte hinlegte, zwei Shutouts kommen schließlich nicht von ungefähr.

Beide Teams spielen technisch anspruchsvolles Eishockey mit viel Tempo. Die Grizzlies verstehen es in meine Augen besser als jede andere Mannschaft, Strafen zu ziehen. Ich glaube, das ist nur bedingt ein Vorurteil, die Statistik untermauert das auch: Keine Mannschaft durfte in dieser Saison häufiger in Überzahl ‚ran. Das könnte für Mannheim zu einem echten Problem gegen das beste Powerplay der DEL werden, doch die Adler sind gewappnet: Schließlich sind sie das beste Unterzahlteam. Meine Vermutung: Sie werden es auch brauchen.

Ein Blick zurück: Vierter Spieltag: Wolfsburg verliert zwar 3:7, schießt zwei Powerplaytore (die Adler aber sensationellerweise auch). 21. Spieltag: GWG Wolfsburg in Overtime in Überzahl. 32. Spieltag: Wolfsburg mit zwei Überzahltoren. 51. Spieltag: Das 2:0 in Überzahl. Mit anderen Worten: Das Überzahlspiel der Grizzlies spielt in dieser Serie eine verdammt wichtige Rolle. Adlerauge, sei wachsam.

 

Ich vermute, gegen die Behauptung, die Adler haben die größere Kadertiefe gibt es nicht viele Argumente. Einen großen Vorteil haben die Mannheimer dabei auf ihrer Seite, Geoff Ward kann aus dem Vollen schöpfen. Die Grizzlies dagegen hatten im Viertelfinale doch mit dem ein oder anderen Ausfall zu kämpfen.

Nick Schaus wird nach seiner Sperre wieder dabeisein, aber weder Norm Milley, Robbie Bina oder Mark Voakes kamen in den Playoffs bisher zum Einsatz. Im Unterschied zu Mannheim stellt sich bei den Niedersachen in der Regel die Mannschaft von alleine auf.

Vielleicht tue ich dem einzelnen dabei ein wenig Unrecht, aber bei Wolfsburg ragte vielleicht in einzelnen Partien der Serie der ein oder andere Spieler heraus, (Tyler Haskins mit vier Assist im letzten Spiel), aber bei den Adlern sieht das etwas anders aus, dabei fallen mir zuallererst Matthias Plachta, Denis Reul und auch Frank Mauer, ab dem Zeitpunkt, als er eingesetzt wurde, ein. Gerade Reul und Plachta haben mich sehr beeindruckt, bei Mauer ist das Sample vielleicht noch etwas zu klein.

Hört sich das jetzt alles so an, als seien die Grizzlies chancenlos? Sollte es eigentlich nicht. Wer München (ach, München) sweept, hat auch gegen die Adler eine Möglichkeit. Eine kleine. Heiner erwartet aber einen Sweep der Adler, unterschätzen sollte man das nicht. Er war letztes Jahr auch der einzige hier im Haus, der den ERC als Meister getippt hatte. Wer sich im Hexenkessel von Nürnberg durchsetzt, sollte auch in der Hölle des Nordens eine Chance haben.

Hier gibt’s morgen die Möglichkeit, sich zur anderen Halbfinalserie durchzuklicken …

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10 Gedanken zu “Im Anfang war das 0:0 – Mannheim – Wolfsburg – Halbfinal-Vorschau

    1. Gedanken allgemein gemacht, das stimmt, aber geschrieben ist das in einem Rutsch. Aber während der Playoffs kannst mich nachts um halb vier wecken, und ich schreib aus dem Stegreif nen Roman

  1. Hab ja schonmal geschrieben, 2 Teams sind für die Adler extrem unangenehm. Die einen hat die DEG erledigt, aber die anderen haben wir jetzt vor der Brust…

    Gerade das Powerplay macht mir extrem Angst, obwohl unsere UZ ja auch gegen Nürnberg eher überzeugt hat.

    Es wird auf jeden Fall wichtig, das Heimspiel direkt zu gewinnen, sonst könnte der Boost so eine Eigendynamik entwickeln, dass Wolfsburg nicht mehr zu stoppen ist.

    Freue mich auf jeden Fall auf die Serie. Go Adler

    1. Sehr treffend analysiert, das sehe ich alles ganz genau so! (Ob das ein gutes Zeichen ist sei allerdings dahingestellt, ich hab nämlich keine Ahnung von Eishockey …! )

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