Playoffratgeber

Die Playoffs sind eine lange und intensive Periode des Jahres, die nicht nur Einfluss auf die Freizeitgestaltung der beteiligten Mannschaften hat. Damit man auch mal die Möglichkeit hat, sich anderen Dingen zuzuwenden – vor allem aber auch, weil meine Playoffvorschau noch nicht fertig ist – habe ich für zwischendurch ein paar Zahlen aufbereitet.

Der Ratgeber ist insofern nützlich, dass der gemeine Fan sich den Spielplan betrachten kann. Und sollte die Entscheidungen zwischen zwei Spielen fallen müssen – weiß er oder sie nach Begutachtung dieser Zahlen genau, für welches er sich entscheiden sollte, ohne etwas zu verpassen. Auch für die noch aktiven Mannschaften könnte dieser Ratgeber nützlich sein. Hinterher (nach dem Durchlesen, nicht nach dem Spiel: DA IST ES DANN ZU SPÄT! (Das war ein Sicherheitshinweis, denn mit Sicherheit hätte das jemand missverstanden, im Zweifelsfalle ein Mann. Das hätte dann wieder Posts mit mehreren Ausrufezeichen gegeben.*)) sollte man nämlich genau wissen, bei welchen Spielen es sich lohnt, sich richtig reinzuhängen.

*Zwischenbemerkung: Ich bin übrigens der festen Überzeugung, dass letztendlich der Erfinder der elektrischen Schreibmaschine (das MUSS ein Mann gewesen sein, der die Schrift seiner Frau nicht lesen konnte – Junge, ich kann dich verstehen) für den Untergang der abendländischen Diskussionskultur verantwortlich sind. Wenn man da nicht sogar noch FRÜHER ansetzen muss. In DEM Moment, als es an einer Schreibmaschine (Vorstufe der Tastatur, mit analogem Bildschirm angehängt, die Älteren werden sich erinnern, meine hieß „Reporter“) die Möglichkeit gab, den Finger auf dem Ausrufezeichen stehen zu lassen und es einen automatischen Ausstoß von mehreren solcher Satzzeichen, OHNE zusätzliches aktives Zutun des Benutzers, zur Folge hatte, war alles verloren. Eigentlich war schon die Einführung der Feststelltaste ein Verbrechen.

Da die Viertelfinal-Serien bevorstehen, befasse ich mich in diesem Text auch ausschließlich damit. Vielleicht gibt es ja vier Sweeps und mir ist vor dem Halbfinale langweilig, oder ich will mich irgendwie vor den Vorschauen drücken?

Zwanzig Jahre Playoffs, das bedeutet 80 Viertelfinalserien. Und genau mit diesen Serien beschäftige ich mich also hier.

Zunächst ein paar Basics. Spielt das Heimrecht eine Rolle? Ja, natürlich. Auch wenn nicht ganz so, wie man das vielleicht erwarten sollte. Das liegt am Modus, denn Mannschaften gewinnen nicht, weil sie Heimrecht haben, sondern sie haben Heimrecht, weil sie in der Hauptrunde stärker waren. Und gemeinhin sollte die Hauptrunde auch gewisse Rückschlüsse auf die Stärke einer Mannschaft geben – sonst könnte man sich die auch gleich sparen. Mannschaften mit dem Heimvorteil gewinnen 71 % aller Viertelfinalserien. Die vergangene Saison war da eine absolute Ausnahme, als es praktisch genau umgekehrt war. Dass sich tatsächlich drei Mannschaften durchsetzen, die zuerst auswärts antreten mussten, hatte es in der DEL vorher nie gegeben.

Sollte diese Zahlen, mit denen ich hier arbeite, überhaupt jemand durchlesen, wäre ich entzückt, wenn dieser oder diese Jemand die Werte nicht beim Tipp-Spiel berücksichtigen würde – das will ich nämlich noch gewinnen.

Wenn Prognosen für Serien abgeben werden, hört man immer wieder, oh, das wird eine lange Serie. Solche Prognosen sollten überdacht werden. Im Best-of-Seven-Modus gab es bisher 44 Serien: Nur fünf gingen tatsächlich über die volle Distanz. Das sind gerade einmal 11 Prozent! Ein bisschen anders sieht das Ergebnis bei Best-of-Five aus: 36 Serien, davon gingen 10 über die volle Distanz, das sind immerhin 28 Prozent. Sweeps gab es bisher sieben, nur zwei gelangen den Teams, die zuerst reisen mussten.

Gehen wir jetzt einmal ein paar Fälle durch. Wenn die Mannschaft mit Heimvorteil das erste Spiel gewann (57 Mal), ging die Serie (48 Mal) in 84 Prozent der Fälle auch an dieses Team. Wenn sie auch noch die zweite Partie gewann, betrug die Erfolgsquote bereits 96 Prozent. Nach dem zweiten Spiel dürfte man also in ein paar Serien schon Bescheid wissen. Den Strang mit mehreren Siegen in Folge brauchen wir also an dieser Stelle gar nicht weiterzuverfolgen, Nürnberg hat ja kein Heimrecht.

Wie sieht es für Mannschaften ganz allgemein aus, die das erste Spiel gewannen? 60 von 80 gewannen die Serie, das liegt leicht über der Quote der Mannschaften, die mit Heimvorteil das erste Spiel gewannen: 75 Prozent.

Wer die ersten drei Spiele gewinnt, setzt sich am Ende immer durch. In früheren Jahren war das ja schon ein Sweep, insofern ist da die Quote natürlich sowieso bei 100 %. Aber daran ändert sich auch im Best-of-Seven nichts Wesentliches mehr. Der Gegner hat zwar dann noch die Möglichkeit der Todeszuckung. Aber die Serien werden dann beim nächsten Heimauftritt zugemacht. Im Modus Best-of-Seven gab es bisher fünf Sweeps- das entspricht wieder 11 Prozent. Etwas deutlicher war es im Best-of-Five: 33 Prozent. Unter dem Strich entspricht das den Werten für Serien im jeweiligen Modus über die volle Distanz. Man könnte von einer Normalverteilung sprechen, um einen statistischen Fachbegriff einzuwerfen.

Hatte ein komisches Gefühl eben, jetzt weiß ich auch warum. Es gibt in diesem Artikel noch gar keine Tabelle. Das geht gar nicht. Außerdem ist es viel übersichtlicher, schließlich soll das hier ja als Ratgeber funktionieren. Vorschläge, welche Partien man eigentlich besuchen sollte, müssten auf den ersten Blick erkennbar sein. Die Tabelle funktioniert wie folgt. Ich teile nach Best-of-Seven und Best-of-Five-Modus, Unter „1. Spiel“ wird angeführt, wie viele Mannschaften das erste Spiel gewonnen haben und die Serie dann für sich entscheiden konnten. Die folgenden Spalten erklären sich damit hoffentlich von selber.

* Bei Best-of-Five-Serien ist das mit dieser Zahl natürlich so eine Sache. Bei Sweeps gibt es ja überhaupt kein viertes Spiel mehr. Und gibt es keinen Sweep, endeten die Serien in der Hälfte der Fälle hier. Daher ist diese Zahl mehrfach verzerrt. Und so zu lesen: Wenn eine Serie über diese Distanz ging, gewann der Sieger der vierten Partie zu 67 Prozent auch die Serie.

Serien 1. Spiel 2. Spiel 3. Spiel 4. Spiel Anzahl 5. Spiel Anzahl 6. Spiel Anzahl 7. Spiel Serien
Best of 5 36 72% 81% 83% 67% 21 100% 9
Best of 7 44 80% 59% 64% 82% 81% 30 79% 19 100% 5
Gesamt 80

Um noch mal den Gedanken mit dem Heimrecht aufzugreifen. Ich habe ja gesagt, der Modus bringe es mit sich, dass die stärkeren Mannschaften immer zuerst zuhause antreten dürfen – ist ja bekannt. Unter dieser Voraussetzung, Platz 1 die stärkste, letzter Viertelfinalplatz die schwächste Playoffmannschaft, müssten sich ja dann auch unterschiedliche Werte ergeben für die Serien zwischen 1. und „8.“, 2. und 7., 3. und 6. sowie 4. und 5. Wobei die Vermutung naheläge, dass die Siegquote im Viertelfinale für den Hauptrundensieger am günstigsten aussähe (Auf was für Ideen man kommt – in den Playoffs darf man niemanden mit Excel alleine lassen.) Mal schauen, was die Zahlen aussagen …

Erster Zweiter Dritter Vierter
Best-of-5 89% 67% 67% 78%
Best-of-7 82% 73% 55% 55%
Gesamt 85% 70% 60% 65%

Interessant sind für uns ja eigentlich nur die Aussagen bezüglich der Best-of-Seven-Serien. Und da zeichnet sich eine klare Tendenz ab, schön, wenn Erwartungen auch mal bestätigt werden. Keine Chance für Nürnberg, wenig Möglichkeiten für Wolfsburg. Und bei den anderen beiden Paarungen stehen die Chancen praktisch 50:50.

Wie immer sind alle Angaben ohne Gewehr. Playoffs schaffen ohne Waffen.

P.S. Ey, Typ, der du mich ständig damit zuspamst, die Texte seien nicht SEO-optimiert. Das weiß ich, ist Absicht, du nervst. Auch eine Form von Widerstand.

Tja, jetzt hilft aber alles nichts mehr. Hamburg – Düsseldorf und Ingolstadt – Iserlohn sind immerhin schon fertig.

 

 

9 Kommentare zu „Playoffratgeber

  1. Hey Ticker- und Zahlengott, solltest Du demnächst mal Langeweile haben, könntest Du in Deine Statistik noch einmal erweitern: In 40 Jahren, wie oft hat sich 1 gegen 8, 2 gegen 7, 3 gegen 6 und 4 gegen 5 durchgesetzt? Da könnten sich die 71% noch einmal relativieren …..!

    1. selbst wenn man über die DEL hinausschaut und die Bundesliga mit einbezieht, gibts den Playoffmodus noch gar nicht so lange. und nur für die DEL steht das ja schon da

      1. ei ei ei, wer lesen kann ist klar im vorteil ….! hab wohl bei der informationsflut zu schnell auf durchzug gestellt, sorry …!

  2. Obwohl die Vergangenheit zeigt, dass die Playoffs immer für eine Überraschung gut sind, so habe ich dieses Jahr das Gefühl, dass sich die 4 Top Teams durchsetzen werden.
    Entscheidend und richtungsweisend werden auf jeden fall die ersten 3 Spiele sein. Gelingt es hier einem der Underdogs vielleicht zwei oder sogar drei Siege einzufahren, ist alles möglich.

      1. Mal schauen wer Recht behält 🙂
        Die Vorfreude auf die anstehenden Partien im Viertelfinale ist nicht zu beschreiben!

    1. Zumindest Hamburg gegen die DEG ist aufgrund der Personalsituation der Freezers ja völlig offen.

      Und die Nürnberger haben halt Pech. Denen hätte ich am ehesten einen Upset zugetraut, aber eben nicht gegen die Adler (wenn auch nicht völlig aus der Luft gegriffen.)

      Ingolstadt gegen Iserlohn ist meiner Meinung nach auch ne enge Geschichte.

      Einzig München gegen Wolfsburg sehe ich da als klare Geschichte, allerdings auch hier: Münchens Personalprobleme könnte den Grizzlys eine Tür öffnen.

      Finde da die VF schon extrem spannend.

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