Preplayoffdramatik

Der 42. Spieltag beginnt mit einem Duell der Tabellennachbarn, bereits am Donnerstag haben die Haie Bremerhaven zu Gast. Der Fokus am Freitag liegt dann auf dem Rennen um die Preplayoffplätze und dem Ferntriell zwischen Krefeld, Berlin und Nürnberg. Wobei, SO fern ist das nicht in allen Fällen.

Köln vs. Bremerhaven

Konferenz am Freitag

Tippspiel

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Köln – Bremerhaven

Das klingt jetzt harsch, aber so kam mir das vor: Ein Mann, natürlich ein Mann, springt aus 4.000 Meter Höhe mit dem Fallschirm ab, schlägt auf, reibt sich das Knie, richtet noch einmal die Krawatte, checkt auf dem Smartphone, ob neue Nachrichten reingekommen sind. Und dann zieht er die Reißleine. Trainerwechsel in Köln.

Für die Konkurrenz ist das eine schlechte Nachricht, egal was Peter Draisaitl folgt, wer gefolgt ist, ist ja bereits klar: Die Position hinter der Bande übernimmt für ihn Dan Lacroix. Der Kanadier ist erstmals in Deutschland tätig. Wie gesagt, für die Konkurrenz ist jede Veränderung in Köln eine schlechte Nachricht, die Haie werden nicht mehr mit der Berechenbarkeit einer Milchtüte spielen. Fast jede Veränderung, die Lacroix vornimmt, wird eine gute sein. Zwangsläufig. Nur, wie schnell ziehen diese Veränderungen?

Wer sagt, den Coach zu feuern, wenn die Mannschaft auf dem vierten Platz stehe, sei eine unverständliche Reaktion, hat die Haie in dieser Saison noch nicht gesehen. Viertbeste Defense, ja, aber auch der viertschwächste Angriff der DEL. Köln hat von den letzten sechs Spielen vier gewonnen, das ist jetzt auch nicht unmittelbar eine Bilanz, bei der sich ein Trainerwechsel aufzudrängen scheint. Tatsächlich hat der Trainerrausschmiss hauptsächlich ästhetische Gründe. Ich habe allerdings von Gerüchten gelesen, dass Uwe Krupp in Köln wieder im Gespräch sein soll. Really? Gehts wieder zum Stallgeruch? Da könnte auch ein texanischer Viehzüchter aushelfen.

Es geht gegen Bremerhaven, eine Mannschaft, die seit sie in der DEL spielt, bei der Bilanzierung der Hauptrunde immer eines der Überraschungsteams war. Und immer in positivem Sinne, und die aktuelle Saison könnte die bisher beste werden. Die erste Saison beendete Fischtown mit 64 Punkten, die zweite mit 75, aktuell stehen sie bei 69 Zählern und noch elf Spiele fehlen.

Es ist das Duell der Tabellennachbarn, zur Zeit liegt Fischtown aufgrund des besseren Torverhältnisses noch vor den Haien. Die Pinguins haben fünfmal in Folge gepunktet, drei dieser Partien gewonnen. Nur gegen die Eisbären hat Fischtown in dieser Saison weniger Punkte als gegen die Haie geholt. Die ersten drei Spiele endeten 2:6 und 2:3 in Bremerhaven und 2:3 n.P. in Köln.

München – Iserlohn

In einer Tabelle, die nur aus den letzten zehn Spielen bestünde, wäre die Partie in München das Aufeinandertreffen des Tabellenführers gegen das Schlusslicht. Der Meister hat neun der letzten zehn Spiele gewonnen, hat aktuell fünf Siege am Stück eingefahren, die letzten Niederlage kassierten die Bayern allerdings gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller, sprich Schwenningen. Noch dazu zu Hause!

Die Roosters haben elf der letzten zwölf Partien verloren, diese Monotonie wurde lediglich von einem Sieg gegen den KEV am letzten Wochenende unterbrochen. Die Roosters sind das schlechteste Auswärtsteam der DEL mit acht Punkten, das zweitschwächste aus Wolfsburg kommt immerhin auf 17! Die Münchner stehen in der Heimtabelle auf Platz zwei.

Zwischen diesen beiden Teams ist es das letzte Aufeinandertreffen in dieser Spielzeit. Das erste Spiel in Iserlohn gewannen die Roosters 8:2, es folgten ein 2:6 in München und eine 3:5 Heimniederlage.

Schwenningen – Krefeld

Drehen wir die Uhr um zwei Wochen zurück, passieren zwei Dinge. Wir sind zunächst einmal eine Zeitlang beschäftigt und haben anschließend einen wunden Finger. Und wir entdecken, dass sich der KEV nach einer Serie von sechs Siegen am Stück vor Nürnberg einen Vorsprung von 13 Punkten herausgearbeitet hat. Drehen wir die Uhr nun wieder vor (man kann das auch in umgekehrter Reihenfolge machen, spart einen Arbeitsgang und schont den Finger, aber die Uhr geht dann halt zwei Wochen nach), stellen wir fest, dass dieser Vorsprung nach vier Niederlagen doch erheblich zusammengeschmolzen ist. Der fast sicher geglaubte Preplayoffplatz der Pinguine ist wieder in akuter Gefahr.

Umso wichtiger wird das Match beim Tabellenschlusslicht, praktischerweise der schwächsten Heimmannschaft der DEL.  Die haben vier der letzten sechs Spiele gewonnen, unter anderem gabs Siege München und Düsseldorf, auf die leichte Schulter können die Pinguine diese Gegner nicht nehmen. Drei Spiele gab es bisher. Die ersten beiden gewann der KEV, 4:2 zu Hause und 5:4 n.V. in Schwenningen. Das dritte gewannen die Wild Wings 5:3 in Krefeld.

Straubing  – Mannheim

Wenn die Tigers noch einen direkten Playoffplatz ergattern wollen, sollten sie langsam angreifen, die Zeit geht aus. Aber das Programm ist ganz schön hart und erklärt vielleicht auch ein ganz kleines Bisschen, warum es zuletzt nicht ganz so rund lief: Die letzten fünf Spiele gingen zweimal gegen München, einmal gegen Bremerhaven und Düsseldorf, und jetzt geht es zum zweiten Mal in dieser Phase gegen die Adler. Das heißt auch, die Partie gegen Mannheim ist die sechste in Folge gegen eine Mannschaft aus der Top-Sechs, die vierte gegen eine aus dem Duo von der Tabellenspitze! Das nenne ich mal ein strammes Programm.

Zusammenfassen lässt sich diese Zeit unter dem Begriff „Ergebniskrise“. Vn den letzten fünf Spielen haben sie lediglich das gegen die DEG gewonnen, gegen München gab es zwei knappe Niederlagen, lediglich gegen Mannheim blieben die Tigers chancenlos.

Die Adler nähern sich offensichtlich ihrer Playoffform, wie man das von einer Mannschaft, die Pavel Gross trainiert, nicht anders gewohnt ist, gut, eigentlich war das bisher nur Wolfsburg. Acht Dreier in Folge haben die Kurpfälzer gewonnen. Eine ähnliche Serie legten sie schon mal bis Mitte November hin, als sie neun Spiele am Stück gewannen. Auswärts haben die Adler den höchsten Punkteschnitt vorzuweisen. Die ersten drei Spiele gewannen die Adler 6:5 in Straubing und 6:1 sowie 6:3 in Mannheim. Jetzt wäre also eigentlich ein 6:7 dran.

Augsburg – Ingolstadt

Das möglicherweise letzte Pantherduell dieser Spielzeit steht in Augsburg an. Es ist die letzten Chance für den ERC, die Bilanz für diese Saison noch einigermaßen auszugleichen. Spiel eins in Ingolstadt gewann der AEV 3:, das erste Spiel in Augsburg 6:3, zwischendurch gab es einen 3:2-Heimsieg nach der Verlängerung für den ERC.

Die beiden Teams haben ein fast identisches Torverhältnis, vor der Partie liegt der AEV einen Zähler vor dem ERC auf der Grenze zwischen Playoffs und Preplayoffs. Da kann man dann schon mal den Begriff „Sechs-Punkte-Spiel“ in den Mund nehmen. Nach Mannheim hat der AEV den höchsten Punkteschnitt in Heimspiele vorzuweisen. Von den letzten 13 Heimspielen hat Augsburg elf gewonnen.

Der ERC verlor zuletzt in Schwenningen und Bremerhaven. Das letzte Wochenende beendeten die Schanzer mit einem Sieg gegen die Haie, der für den Hinauswurf von Draisaitl wahrscheinlich nicht den Ausschlag gab.

Wolfsburg – Düsseldorf

Hätte man vielleicht auch nicht gedacht, dass in dieser Saison Wolfsburg gegen Düsseldorf spielt und die Grizzlys sind nicht unbedingt der Außenseiter. Aber Fakt ist: Die Grizzlys haben die letzten drei Spiele gewonnen, drei Dreier am Stück gab es für die Niedersachsen erstmals in dieser Saison. Der Traum von den Preplayoffs muss noch nicht ausgeträumt sein.

Und die DEG scheint sich im Augenblick nur noch Richtung Ziellinie zu schleppen. Am Mittwoch verlor sie gegen Nürnberg und kassierte bereits die vierte Niederlage am Stück. Allerdings waren das alles Heimspiele. Die letzten beiden Partien in der Fremde haben die Rheinländer dagegen verloren. Gegen Köln und Augsburg, auch keine Laufkundschaft.

Bei diesem Duell gab es in dieser Saison nur Heimsiege. Wolfsburg gewann 4:3, die DEG 7:2 und 3:1 in den ersten drei Begegnungen. Wolfsburg stellt das zweitschwächste Heimteam und hat die meisten Gegentreffer kassiert, die DEG stellt das drittbeste Auswärtsteam.

Nürnberg – Berlin

Ein überaus brisantes Duell steht in Nürnberg an: Denn egal, wie der KEV parallel in Schwenningen spielt: Mit einem Dreier würden die Franken auf jeden Fall an den Eisbären vorbeiziehen und mindestens bis auf Platz zehn klettern können.

Schaut man sich die jüngsten Ergebnisse beider Teams an, gehen die Franken als klarer Favorit in diese Begegnung. Sie haben vier ihrer letzten fünf Spiele gewonnen, hingegen kassierten die Eisbären sechs Niederlagen am Stück. Den letzten Berliner Dreier gab es kurz nach Weihnachten gegen Bremerhaven, den letzten Auswärtsdreier holten sie Mitte Dezember in Köln.

Die bisherigen Ergebnisse: Nürnberg gewann das erste Heimspiel 4:3, das war noch unter Kevin Gaudet, ist also verdammt lange her. Das erste Spiel in Berlin gewannen die Eisbären 5:4, das zweite verloren sie 2:5.

Percentage aus den letzten zehn Spielen

Zum Zeitvertreib packe ich nochmal ein paar Grafiken rein, die wohlbekannt sind, allerdings aktualisiert. Grafik 1 stellt dar, welche Mannschaft wie viele Torschüsse (echte Torschüsse) zulässt. Der Unterschied von Platz 1 und 14 ist erschütternd. Fast 400 Unterschied!

Grafik 2 stellt die abgegebenen Torschüsse dar. Zwei echte Auffälligkeiten gibt es, die stark vom Tabellenstand abweichen: Berlin und Köln.

In Grafik 3 sehen wir, wie viele Schüsse es für eine Mannschaft braucht, um beim angegebenen Team zu einem Treffer zu kommen. Berlin hat hier ganz schön an Boden eingebüßt, das hängt tatsächlich ursächlich mit den hohen Niederlagen gegen Mannheim zusammen. Der EHC und die DEG liegen in dieser Statistik schon die ganze Saison weit vorne, Mannheim hat sich allerdings tüchtig herausgemacht, die waren hier immer eher nur Durchschnitt. Am leichtesten schießt du Tore gegen den KEV und Wolfsburg.

Wer sind die effizientesten Teams? Offensichtlich Bremerhaven und Mannheim, Schlusslichter sind Schwenningen und Berlin.

Zu beachten bei diesen Grafiken: Die Begegnung zwischen Düsseldorf und Nürnberg ist nicht mit einkalkuliert. Die Auswirkung einer Partie sollte aber marginal bleiben. Außer es gab ein 10:9 oder so.

Heiner

Köln – Bremerhaven 3:2
Nürnberg – Berlin 2:5
Straubing – Mannheim 3:4 n.V.
München – Iserlohn 6:5 n.V.
Augsburg – Ingolstadt 5:1
Wolfsburg – Düsseldorf 5:2
Schwenningen – Krefeld 3:1

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