Klare Sachen – Halbfinale Spiel 4

Die Frequenz der Spiele um die Osterzeit wird in den Playoffs immer höher. Inzwischen sind wir bei einem Spielrhythmus von allen zwei Tagen angekommen. Die einen stecken das besser weg, anderen ist deutlich anzusehen, dass es langsam an die Reserven geht.

Hier geht es zum Liveticker.

Grizzly Adams Wolfsbug – Adler Mannheim

Im Prinzip hatte es sich angekündigt. Von Spiel zu Spiel hatten sich die Adler steigern können. Musste beim ersten Aufeinandertreffen in Mannheim noch ein Overtime-Sieg her, reichte beim ersten Spiel in Wolfsburg schon ein Emptynetter, um die Partie zu entscheiden. Beide Male mussten die Adler zwar einen 0:3-Rückstand aufholen, schon beim zweiten Spiel wirkte das fast routiniert. In Spiel 3 wandelte sich das Bild. Mannheim dominierte praktisch ab der ersten Spielminute und zeigte einen bis dahin überzeugendsten Playoff-Auftritt. Mit Spielbeginn nahmen die Adler die Partie in die Hand, zwangen den Grizzlies sehr konzentriert ihr Spiel auf und blieben zum zweiten Mal in den laufenden Playoffs ohne Gegentreffer.

Disziplin war das entscheidende Stichwort, man wusste um die Powerplaystärke der Grizzlies und schaffte es, weitestgehend von der Strafbank wegzubleiben. Der richtige Weg, wie sich herausstellte. Denn trotz der Niederlage ohne eigenen Treffer war Wolfsburg tatsächlich am stärksten, wenn die Grizzlies Überzahl spielen konnten.

Mit ihrem vierten Sieg im vierten Spiel haben die Adler Historisches geschafft. Erstmals in der Geschichte der DEL seit Einführung des Best-of-Seven-Modus gab es im Halbfinale einen Sweep. Nach der Niederlage zeigte sich Pavel Gross in der anschließenden Pressekonferenz, die er erst etwas später besuchte, weil er sich zuvor noch für ein paar Minuten mit seiner Mannschaft zur stillen Meditation zurückgezogen hatte, von seiner charmantesten Seite. Mit einem Lächeln auf den Lippen erkannte er die Überlegenheit des Gegners, in dessen Diensten er einst für sechs Spielzeiten gestanden hatte, an. Mannheim habe verdient gewonnen, gestand Gross ein, und sei die beste Mannschaft der Welt. Er ließt es sich auch nicht nehmen, jedem Mannheimer Akteur, ob Spieler oder Staff, persönlich die Hand zu schütteln und in direktem Gespräch bat er Geoff Ward um die Möglichkeit einer Hospitanz bezüglich des Coachings in einer Playoffserie. Dafür nahm Ward dann auch tatsächlich mal die Hände aus der Tasche. Zur entpsannten  Atmosphäre der Pressekonferenz trug wesentlich mit bei, dass Gross unbedingt noch seine Lieblingswitz loswerden wollte: „Die Grizzlies werden 2014/15 Meister.“ Da konnten alle noch einmal herzhaft lachen. Dass Dass der Sieg regulär zustande gekommen war, daran konnte wahrhaftig kaum ein Zweifel bestehen, wurden doch alle sechs Treffer der Kurpfälzer auf Gross‘ nachhaltiges, freundlich aber bestimmtes Insistieren durch Videobeweis auf ihre Nachhaltigkeit überprüft.

Am Ende der Serie wirkten die Wolfsburger platt, während die Adler mit jeder Aktion deutlich machten, dass sie erst die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten. Konnte Wolfsburg in den ersten Spielen zumindest phasenweise Drittel dominieren oder zumindest ausgeglichen gestalten, machte Spiel 3 in Mannheim deutlich, wohin die Reise hingehen würde. Und der letzte Mannheimer Auftritt in diesem Jahr in Wolfsburg machte klar, dass die Kurpfälzer nicht geblufft hatten.

 

Dosenöffner war für die Adler erneut ein Überzahltreffer – schon faszinierend. Zogen die Adler in der Hauptrunde durchaus das ein oder andere Scherzwort für ihr Powerplay auf sich, entpuppt es sich in den Playoffs als eine weitere zusätzliche Stärke. Die Percentage liegt bei über 30 Prozent! In den ersten drei Partien war der erste Adler-Treffer jeweils ein Überzahltreffer, zweimal leitete er eine Aufholjagd ein, beim dritten Mal stellte er die Weichen. Und in Spiel 4 schien er das Schicksal der Grizzlies endgültig zu besiegeln.

Das Spiel im kurzen Rückblick. In den ersten Spielminuten hätte man den Grizzlies noch eine Chance einräumen können, nicht in eigener Halle aus der Serie gesweept zu werden. Doch mit zunehmender Fortdauer der Partie sah sich Wolfsbug in die Defensive gedrängt, gleich beim ersten Powerplay eröffnete Andy Jourdrey (9.) den Torreigen per Abstauber. Kurz vor der Pause konnte Frank Mauer (19.) die Adler-Führung auf 2:0 ausbauen. Da war schon allen klar, vor allem den zahlreichen mitgereisten Adler-Fans, die ab diesem Zeitpunkt in Feierstimmung waren, es würde für die Grizzlies sehr schwer werden. War es da schon Verzweiflung, dass Gross beim doppelten Powerplay Felix Brückmann vom Eis nahm, immerhin befanden wir uns noch früh im Mittelabschnitt?

Marcus Kink bestrafte das mit einem Emptynetter (26.), der die Weichen endgültig stellte. Mit seinem Treffer von der Blauen hauchte Jeff Likens den Grizzlies kurz vor der Pause noch einmal Leben ein. Doch als Denis Reul (43.) kurz nach Wiederbeginn, erneut in Überzahl, mit einem seiner unwiderstehlichen Soli den alten Abstand wiederherstellt, war die Halbfinalserie praktisch Geschichte. So blieb es nicht mehr als eine leere Geste, dass Gross drei Minuten vor dem Ende Brückmann nochmal vom Eis holte, was Jon Rheault (59.) und Sinan Akdag (59.) mit zwei weiteren Emptynettern beantworteten.

Am Ende stand für die Adler der höchste Playoffauswärtssieg seit dem 8:1 (2011/12) in Hamburg. (Konnte ich die Freezers hier auch noch irgendwie unterbringen, ist doch schön). Und natürlich der Einzug in die Finalserie. Für die Adler geht es jetzt in eine längere Pause – dabei hatte man nicht den Eindruck, dass sie die unbedingt bräuchten. Für den Gegner könnte das sogar von Vorteil sein, verlieren die Kurpfälzer doch an Spielpraxis. Das könnte auch die einzige Hoffnung für den kommenden Gegner sein.

Düsseldorfer EG – ERC Ingolstadt

Die DEG kann es also noch. Sie kann also noch zuhause gewinnen. Und es hat sich gezeigt, die Moral der Rheinländer ist nach der unglücklichen Verlängerungsniederlage noch nicht gebrochen. Aus anderen Gründen als die andere Serie finde ich die Paarung Düsseldorf – Ingolstadt hochgradig faszinierend. Gerade und besonders die letzten beiden Spiele möchte ich dabei hervorheben.

Es ist eine Serie, in der Überlegenheit nicht unbedingt mit Sieg gleichzusetzen ist. Nehmen wir die erste Partie in Düsseldorf, die der ERC für sich entscheiden konnte. Die DEG erarbeitete sich früh unglaubliche Großchancen, geht sogar 2:0 in Führung, hat am Ende aber das Nachsehen. Spiel 3 in Ingolstadt war über weite Strecken praktisch ein Spiel auf ein Tor. Ohne zu übertreiben hätte Ingolstadt nach zwei Dritteln locker mit vier, mit fünf Treffern vorneliegen können, ja müssen. Für die Zuschauer ist das großartig anzusehen, bei den Fans sorgt es, durchaus auf beiden Seiten, wahrscheinlich für früh ergrautes Haar. Was der ERC an Chancen liegen ließ, war schier unbegreiflich. Und es kam, wie es kommen musste, die DEG kam zurück ins Spiel, erzwang die Verlängerung, war da eigentlich das dominante Team, hatte mehrfach die Chance, das Spiel zu beenden: Und stand am Ende wieder als Verlierer da.

 

Wie anders entwickelte sich da Spiel 4. Gut, so dominant wie die beiden Goalies sich in dieser Serie präsentierten, das konnte schließlich nicht ewig so weitergehen. Aber 7:5? SIEBEN ZU FÜNF! Was für ein Spektakel. Von der ersten Minute an war es ein Spiel mit offenem Visier. Ein Offensivfestival, von dem man noch in Jahren sprechen wird. Ein Spiel, das, wie immer die Serie noch ausgehen mag, als prägend als DAS Spiel in Erinnerung bleiben wird. Für die DEG-Fans war es ein Wechselbad der Gefühle. Fünf Mal ging der ERC in Führung, durch Patrick Hager (9.), Thomas Greilinger (16.), John Laliberte (29.), Brandon Buck (35.), Derek Hahn (47.), fünf Mal konnte die DEG innerhalb von Minuten ausgleichen: Alexander Preibisch (10.), Shawn Belle (18.), Travis Turnbull (31./37.) und Andreas Martinsen (48.) Und ausgerechnet der, dem in den Playoffs nach so starker Hauptrunde noch nicht so viel gelungen ist, sollte am Ende zum Helden werden mit seinem Hattrick (54./60. ENG). Das könnte ihm persönlich für den weiteren Verlauf der Serie einen echten Schub versetzen.

2:2 steht es also nach vier Partien, die Serie ist zu einem Best-Three geworden. Die Adler werden sich noch ein wenig gedulden müssen, bis sie erfahren, wer ihr Opfer in der Finalserie wird. Egal wer es ist, er braucht gesundes Zahnfleisch.

Was noch fehlt: Die DEG lag in einer Halbfinalserie noch nie 1:2 hinten. Wenn Ingolstadt eine Halbfinalserie 2:1 führte, stand man am Ende auch im Finale (gab es aber erst einmal, letztes Jahr gegen Hamburg).

Das waren vorher die Tipps (H)

Düsseldorf – Ingolstadt 0:5
Wolfsburg – Mannheim 1:4

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18 Gedanken zu “Klare Sachen – Halbfinale Spiel 4

  1. Krass der Olaf, noch krasser die Adler, am krassesten Heiner …!!!
    Glückwunsch an Kamui und Gruß an alle aus Andalusien, zuhause schneit es und hier bekommt man Sonnenbrand …!

  2. Wäre mit dem Ergebnis SEHR zufrieden, allerdings wird wohl etwas enger. Hoffe natürlich trotzdem, dass wir das Ding heute schon zumachen, denn ich hab das Gefühl, die andere Serie könnte noch ein bisschen andauern.

  3. Nee, im Prinzip isses schon klar, aber das ist auch ne Frage der Aktualität. NACH dem Tickern bin ich meistens ziemlich durch. Da dann eine Zusammenfassung wäre echt hart. Und einen Tag später? Da sind in den Playoffs schon die nächsten Vorberichte. Und will dann wirklich noch jemand Zusammenfassungen lesen, die überall anders schon einen Tag im Netz stehen?

  4. Schöne Zusammenfassung! Was mich aber unweigerlich zu der Frage bringt, warum du hier zu den guten Vorschau-Berichten keine Spielzusammenfassungen schreibst. Fehlt dir die Zeit oder hat das andere (ideologische) Gründe?

      1. ist ein Argument, darfst du weiter so finden.

        In den PO wird es schnell unübersichtlich zwischen Vorbericht und Zusammenfassung. Während der Hauptunde tust dich dann sicherlich schwerer bei der Anzahl von Spielen, was Qualitatives (= einen Mehrwert gegenüber dem Liveticker) anzubringen.

        Vielleicht beschränkt man das auf ein Topspiel des Tages? Das gibt die Möglichkeit, sich über Inhalte nochmal auszutauschen?

        Naja, nur ne Idee. Aber ich muss sie ja nicht umsetzen 😉

      2. Klarstellung: der Ticker ist super! Ich meinte mit „qualitativ“ nur noch besser als der Ticker oder „warum sollte jemand, der den Ticker gelesen hat, nochmal eine Zusammenfassung lesen“

        Hoffentlich hast mich richtig verstanden 😊

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