Adler vs. Haie: Kein Derby, gelebte Rivalität

Die Viertelfinalserie Haie-Mannheim ist zwar kein Derby im herkömmlichen Sinne, aber gelebte Tradition und Rivalität. Möchte man einen Vergleich zum Fußball ziehen, ähnelt es vielleicht dem Duell 1. FC Nürnberg vs. FC Bayern München. Kein Derby an sich, aber gelebte Rivalität!

Gastbeitrag von Tobias Bonk (haimspiel.de)

Die DEL-Play-Off Geschichte:

Selten war eine Serie dieser beiden schwerer vorherzusagen als die Kommende! Mit Sicherheit erstaunlich ist, dass die letzte Begegnung in den Play-Offs 6(!) Jahre zurück liegt. Wer (vor allem als Kölner) erinnert sich nicht gerne an diese Serie. Das längste DEL-Spiel aller Zeiten, das zweitlängste in der Geschichte des Eishockeys, eine weitere Verlängerung, die die Haie gewinnen konnten und die Degradierung von Adam Hauser im letzten Spiel gegen den jetzigen Kölner Danny aus den Birken.

Nach 5 Spielen war die Serie zu Ende. Es war eine Serie 3 gegen 6, bei der die Haie als leichter Favorit in die Serie gingen und danach erst im Finale gestoppt wurden.

Ein Jahr zuvor traf man sich im Halbfinale unter anderen Vorzeichen. Die Mannheimer waren Hauptrundenprimus, die Haie „nur“ an Position 5 in die heiße Phase der Saison gegangen. Das Viertelfinale hatten beide souverän bestritten, im direkten Duell zeigten sich die Mannheimer dann als deutlich überlegten und sweepten die Haie. Dabei erzielten sie – für ein Halbfinale unglaubliche – 15 Tore in 3 Spielen! Von der damaligen Meistermannschaft befinden sich derzeit immer noch Arendt, Kink und Mauer in der Mannschaft. Ullmann und Fischer sind wieder bei den Adlern. Es war gleichzeitig die letzte Meisterschaft der Adler in der DEL.

Wir blicken ein paar weitere Jahre zurück: 2002/03. Hans Zach stand damals im ersten Jahr an der Bande der Haie und führte den amtierenden Meister wieder ins Finale. Im Halbfinale hatten die Adler bei den Haien keine Chance und verloren alle 3 Spiele, obwohl sie nach dem Viertelfinale, bei dem die Haie sich gegen Kassel schwer taten, sogar als leichter Favorit in die Serie gegangen waren.

In der Saison 01/02 traf man sich im Finale. Ende bekannt. Die Haie gewannen eine unfassbar gute Finalserie in 5 Spielen, nachdem man erst von Platz 6 in die Play-Offs gestartet war und vorher Krefeld (3.) und München (1.) bezwungen hatte. Es war die letzte Meisterschaft, die die Haie feiern durften.

Das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams gab es – wie sollte es anders sein – im 1. DEL Jahr. Die Haie, wiederum von 6 in die Play Offs gestartet, besiegten nacheinander den 3. den 1. und den 2. (wie auch 2002!). Oh Wunder war bei den beiden Meisterschaften der Haie Mirko Lüdemann jeweils mit auf dem Eis, er hat somit auch alle 5 Serien in der DEL gegen die Adler mitgemacht.

Was bringt der Rückblick in der Geschichte für die aktuellen Play-Offs? Statistisch wahrscheinlich einiges, aber das liefert alles keine Rückschlüsse auf das diesjährige Duell! Einzig der Fakt, dass der Sieger des Duells mindestens im Finale stand, könnten die Trainer als Anreiz benutzen.

Saisonfakten:

Mehr Zuschauer lockte unter der Saison nur das Derby KEC-DEG in die Hallen (ca. 54.000). So sahen bis jetzt 51.021 Zuschauer die vier Duelle der Adler und der Haie. Wenn man Gemeinsamkeiten in der Saison suchen will, so wird man schnell fündig:

– jeweils 1 Heim- und 1 Auswärtsspiel gewonnen, beim Heimsieg ging das Spiel länger als 60 Minuten

– beide haben 2 Tore durch Special Teams erzielt, die Haie in Unterzahl, die Mannheimer in Überzahl

– beide haben Probleme in Überzahl (Haie 12., Mannheim 14.)

– jeweils 1 Spieler wurde während der Saison freigestellt und beide haben dafür nochmal nachgelegt

Was das alles für eine Bewertung der Play-Offs nutzt? Nichts!

Das Play-Off Duell:

Die Play-Offs sind eine eigene Zeit im Jahre eines Eishockeyspielers! Die Haie haben vergangenes Jahr mit fast derselben Mannschaft geschafft ins Finale zu kommen (und dort zu verlieren). Schon da hat sich gezeigt, dass sich die Mannschaft in den Play-Offs anders präsentieren kann. Auch in der vergangenen Saison gab es eine Leistungsdelle zum Ende der regulären Runde. Unbestreitbar haben auch beide Mannschaften Spieler die in den Play-Offs nochmal drauflegen können. Vor allem die Importspieler sind es die immer wieder leistungsmäßig noch zulegen und über die eigenen Grenzen gehen. Auf der Trainerbank sitzen mit Zach und Krupp dann auch noch zwei Systemtrainer, die ihr System spielen und versuchen dem Gegner aufzuzwängen. Zudem kommt es in einer Best-of Serie nie auf eine einzelne Tagesform an, sondern man muss über maximal 14 Tage eine Konstanz entwickeln, dass man mehrfach gewinnen kann

Der Sieger dieses Duells erhält auf jeden Fall einen emotionalen Schub, der bei anderen Serien vielleicht nicht so vorhanden sein wird. Andererseits kann man in dieser Serie die Körner lassen, die einem am Ende dann vielleicht zum großen Wurf fehlen. Eine Aussage, wer in diesem Duell vorne liegt, scheint unmöglich. Vom (eher unwahrscheinlichen) Sweep bis zu einer Serie über 7 Spiele scheint alles möglich. Die Wahrheit liegt auf dem Eis.

Dieser Text ist auch erschienen auf haimspiel.de – Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Tobias Bonk!

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